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Montag, 21. Juni 2010

Kanada - Bruchstücke

Bei den angekündigten Berichten fehlt noch jener mit den Beobachtungen, die ich im Verlauf der Reise so gemacht habe. Dazu habe ich mir mein Moleskine-Reisetagebuch zur Hand genommen und ein wenig gestöbert - was natürlich jede Menge Erinnerungen geweckt hat.

An die Radiosender zum Beispiel. Kanada ist ein Land mit sehr vielen lokalen Radiostationen. Das hat (wen wundert's?) Vor- und Nachteile. Sehr positiv sehe ich, dass man damit lokale Eigenheiten mitbekommt, Werbung aus der Region hört, auf Dinge in der Gegend aufmerksam gemacht wird. Nachteilig wirkt sich das aber aus, wenn man weitere Strecken mit dem Auto fährt. Dann verliert man schon nach wenigen Kilometern den Sender, der grad was Interessantes gespielt hat. Selbst CBC-Radio, das scheinbar landesweit ausgestrahlt wird, läuft auf lokalen Frequenzen. Da unterbricht dann die Reportage mittendrin, und bis man den Sender wiedergefunden hat im Wust des Angebots, ist der spannende Teil oft schon vorbei. CBC ist aber echt toll, sowas hätte ich hier gerne: Einen Sender, der viele Reportagen und Interviews bringt, der sich mit Themen auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzt. Die Leute, die mitdiskutieren sitzen in den Bezirksstudios, sehen einander oft nicht mal. Kaum zu glauben: Die Beiträge sind oft so spannend, dass die Musik fast wie ein Störfaktor wirkt ;)

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Die Werbungen sind auch teilweise recht nett. Wer amerikanische Filme und Serien im Originalton kennt, vermutet dann und wann seinen Ohren nicht wirklich zu trauen. Tatsächlich ist es aber so, wie dort beschrieben - oder noch enthusiastischer, speziell, wenn es um lokale Unternehmen geht. Eigentlich fast schon eine Kunstform. Eine wohl überregional ausgestrahlte Werbung forderte einen auf, eine Hand zu heben, wenn man sich für einen sicheren Fahrer hält. Und die andere Hand, wenn man gerne bei den Versicherungsprämien spart. Unweigerlich kommt die mahnende Stimme: "Aber haben sie nicht grad gesagt, dass Sie ein sicherer Fahrer sind?". Ich gestehe, damit hatte ich nicht gerechnet. Und nachdem Humor sich ja zum guten Teil aus dem Unerwarteten schöpft, musste ich dabei ziemlich lachen.

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Für die Lebensmittelläden konnte ich mich in Kanada eher wenig begeistern. Metro war ok, oder Loblaw's, aber WalMart war eine Katastrophe. Da gabs nicht mal frisches Obst und Gemüse, von Snacks zum Mitnehmen oder ähnichem ganz zu schweigen. Da sind die Amis wesentlich besser. Auch die Produktvielfalt lässt in Kanada eher zu wünschen übrig. Meine Lieblingsprodukte wie Zimtzuckerl, Honey-Mustard-Pringles oder Peanutbutter M&M's gab gar nicht erst, viele andere Dinge waren nur in kleiner Auswahl vorhanden, selbst in den großen Märkten. Das fand ich durchaus etwas seltsam. Klar, in Österreich kriegt man auch weniger als in Deutschland, aber das ist doch immer noch Nordamerika!

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Auch in anderer Hinsicht ist Kanada viel europäischer als die USA - bei der Freundlichkeit. Generell bezeichne ich Kanada ja als europäischer als die USA, aber deutlich amerikanischer als Europa. Nicht nur, was die Mentalität angeht, sondern auch, was die Bauweise betrifft, gewisse Einrichtungen und vieles andere mehr. So ein bisschen USA-light. Ist für mich prinzipiell total ok, aber doch recht wenig erfreulich, wenn es um den menschlichen Umgang geht - die Freundlichkeit in den USA habe ich sehr zu schätzen gelernt. Die Kanadier donnern einem irgendwie ein Brett vor den Kopf. Nun ja, man lernt mit allem zu leben ;)

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Kaffee. Das ist in Nordamerika ohnehin so ein Ding... Der von Dunkin Donuts geht und bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Nur: Er ist zwar in den USA an jedem Eck, in Kanada aber gar nicht erhältlich. Das Äquivalent scheint Tim Horton's zu sein. Das Gebräu ist aber nun wirklich nicht trinkbar. Den Becher habe ich in hohem Bogen in den Müll befördert. Ansonsten scheint die Coffee-to-go-Kultur in Kanada etwas weniger verbreitet zu sein als in den USA, aber es gibt immer noch mehr als genug Möglichkeiten für den koffeinhungrigen Menschen, sich einzudecken. Nur der Anspruch darf halt nicht zu hoch sein...

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Reisefreudig scheinen sie zu sein, die Crazy Canaks. Mehrfach habe ich mir gedacht "Mensch, das Auto fährt doch viel zu nah auf den Wohnwagen auf!". Tatsächlich nehmen die Kanadier ihr Auto mit dem Wohnwagen mit - es wird mit eine Stange angehängt und rollte dann hinter dem Mobile Home her. Für mich doch ein recht seltsamer Anblick, da ich sowas hier nur umgekehrt kenne: Auto vorn, mobiles Zuhause hinten ;)

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Museen scheinen generell einen hohen Stellenwert zu haben: sie sind liebevoll gestaltet, didaktisch gut aufbereitet und dort trifft man die freundlichsten Leute. Natürlich sind sie auch entsprechend teuer, aber dennoch macht es wirklich Spaß, sich in Kanada in die Museen zu begeben. Ich glaube, im Endeffekt hat mir das am Besten von allem gefallen.

Freitag, 18. Juni 2010

Reisebericht Kanada - die Museen

Meiner Faszination für Museen habe ich natürlich auch in Kanada nachgegeben. Im Schnitt kam ich auf ein Museum pro Tag. Das Science-Museum in Toronto war wenig interessant, im Museum von Niagara on the Lake, das ich toll fand, war fotografieren nicht erlaubt, und das Museum für Stadtgeschichte in Montreal hat nicht besonders viel hergegeben. Somit zeige ich hier nur vier der sieben besuchten Wissensstätten her.

Gleich am Anfang gehen wir in die Vollen: Das Musée Canadien des Civilisations in Hull/Gatineau, QC, der Stadt, die Ottawa direkt gegenüberliegt. In die Vollen deswegen, weil es jenes Museum ist, das mir von der Präsentation am Besten gefallen hat von allen Museen, in denen ich bislang war. Und das sind ja jetzt nicht so wenige ;)

Wenn man den Rundgang so beginnt wie ich, dann kommt man zuerst zu dieser beeindruckenden Plastik. Sie zeigt den "Chief of the Undersea World" und soll an indianische Kunstwerke erinnern.

Gleich darauf gehts zum Lageplan - bin ich die Einzige, die diese organischen Formen irgendwie phallisch deutet? ;) Aber man findet sich gut zurecht und es ist alles ausgeschildert.

Das Museum beschäftigt sich damit, wie sich die Gesellschaft in Canada entwickelt hat, von den Ureinwohnern bis hin zum heutigen Stand. Wichtige Personen in der Geschichte werden so beschrieben, und man lernt einige sehr interessante Dinge.

Das, was mich am meisten beeindruckt hat, ist der Straßenzug, der aufgebaut wurde. Die Häuser sollen an Toronto in den 1890ern erinnern. Es gibt eine Kirche, eine Bahnstation, Läden, ein Anwaltsbüro, eine Druckerei und vieles mehr.

Die Kirche ist ein ukrainisches Gotteshaus, und ich finde, dabei handelt es sich wirklich um etwas besonderes. Und zwar ist das nicht einfach eine nachgebaute Kirche, sondern das Gotteshaus, das an seinem ehemaligen Standort nicht mehr stehen bleiben konnte, wurde abgetragen und hier originalgetreu wieder aufgebaut.

An hohen orthodoxen Feiertagen kommt die Gemeinde, die ihre Gottesdienste früher hier gefeiert hat, immer noch hier her und die Kirche wird immer noch für religiöse Zwecke genutzt. Nachdem sie wieder aufgebaut wurde, wurde sie auch erneut geweiht und ist somit nicht nur ein Museumsstück.

Gegenüber der Kirche steht dieser kleine ukrainische Musikladen. In den Vitrinen liegen viele kuriose Dinge und das Ganze ist sehr liebevoll gestaltet. Und eine Hommage an diese Gruppe der Einwanderer.

Das Erdgeschoss des großen Saales ist den "First Nations" gewidmet. Hier stehen auf beiden Seiten viele Totempfähle, und auf der rechten Seite geht es in weitere Ausstellungsräume, die die Geschichte und die Bräuche der Ureinwohner aufzeigen.

Unter anderem diese Figur, die nach indianischem Glauben die Geburt von Gut und Böse zeigt. Die Himmelsfrau erwartet Zwillinge, eben Gut und Böse. Der böse Sohn ist eifersüchtig auf den guten, der zuerst geboren werden soll. Also bahnt er sich seinen Weg durch die Seite seiner Mutter und bricht durch die Rippen.

Ein Teil des Museums ist dem Postwesen Kanadas gewidmet. Neben Informationen finden sich dort auch Bilder aus Briefmarken, die zur Dekoration dienen. Dieses hier zeigt das Parlament von Ottawa. Gemacht ist es aus gebrauchten Briefmarken, solchen, die also schon zur Beförderung benutzt wurden. Die Bevölkerung hat beim Sammeln geholfen.

Und hier noch ein Bild vom Skulpturengarten, der im Park des Museums steht, mit Blick auf das Parlament von Ottawa. In diesem Park gibts zum Beispiel auch noch einen indianisch inspirierten Vogel am Teich, und überhaupt ist es ziemlich hübsch dort. Als Einheimische würde ich sicher häufiger dort picknicken oder so.

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Weiter geht es in Montreal, mit zwei raschen Bildern vom Musée McCord. Das ist ein Museum, das mit Stücken aus der Sammlung von David McCord ausstaffiert ist. Auch hier gibt es unter anderem Totempfähle, es gibt Abhandlungen zum Wetter von Montreal und zur religiösen Geschichte - alles nicht unbedingt zusammenhängend, aber durchaus interessant.

Hübsch fand ich dieses metallene Diorama an einer der Gebäudeseiten, sowas hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Auf der anderen Seite steht eines dieser Steinmännchen, die unter anderem Inspiration für das Olympia-Logo für die Spiele in Vancouver war.

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Die Fassade dieses tollen Museums habe ich in meinem Toronto-Bericht schon gezeigt - es handelt sich um das Royal Ontario Museum.

Für die Terrakotta-Armee war ich leider zu früh, diese Ausstellung begann erst im Mai. Aber eigentlich wollte ich hier auch mehr auf den Flugsaurier hinaus, der im modernen Frontanbau vor sich hinschwebt.

Scheinbar gibt es hier so viele Ausstellungsstücke, dass man auch schon mal ein paar Dinos in den Lounge-Bereich stellen kann. Diese Sofas sind eine Wohltat für ausgepowerte Museumsbesucher - und erschöpfend kann es durchaus sein.

Ich wurde mal gefragt, ob die Fassade nur Schau ist, oder ob man von innen auch etwas davon mitkriegt - wie man sieht, tut man das. Diese Art der Präsentation der Schaustücke finde ich auch wirklich ansprechend. Aber ich steh ja generell auf solche Spannungsfelder zwischen alt und neu.

Und wie man sieht, davon gibt es hier mehrere. An Dino-Skeletten mangelt es hier nicht, aber zu meinem Leidwesen habe ich herausgefunden, dass hier ein wenig geschummelt wird.

Wie man auf der Abbildung sieht, sind nicht alle Knochen so eines Skeletts echt - die orangen sind Original, die blauen ein Nachbau und die weißen gibt es nicht (wobei ich nicht verstehe, dass man nicht alle Knochen nachbaut, wenn man schon schummelt). Andererseits habe ich mir auch schwer getan mir vorzustellen, dass das Museum of Natural History in New York nur lauter komplette Skelette hat - dort war aber, soweit ich mich entsinne, nichts gekennzeichnet. Da ziehe ich diese Methode eindeutig vor.

Aussehen tut das dann so wie auf diesem Bild - man kann keinen Unterschied erkennen, wobei ich das eigentlich erwartet hätte. Wenn man die künstlichen Knochen schon kennzeichnen kann, dann kann man es auch am Skelett tun. Etwas rechts der Mitte im Vordergrund ist ein Mammutzahn ausgestellt, und der ist "Hands on", heißt, man darf ihn berühren und sich vorstellen, wie so ein Mammut sein Futter zerkleinert hat. Ob der echt ist oder repliziert, wird nicht angegeben, aber im Sinne der Wissenschaft vermute ich letzteres.

Das ROM ist ein sehr vielseitiges Museum, das noch wesentlich mehr zu bieten hat als nur Dinos. Unter anderem gibt es mehrere Abteilungen zu asiatischen Kulturen, eine Ägyptologie-Abteilung, etwas zu europäischer Geschichte, selbstverständlich eine Ausstellung zu den "First Nations" und vieles weitere mehr. Ich kann also nur absolut exemplarisch was zeigen, für sich da alles befindet. Das oben abgebildete chinesische Dach (eines Tempels?) ist übrigens exaktestens eingepasst - zwischen die Seite des Daches und die Wand des Gebäudes passt grad mal ein Blatt Papier.

Architektonisch gibt es nicht nur die bereits mehrfach besprochene ultramoderne Fassade, sondern vor allem viel alte Bausubstanz, die ein wenig an die Prunkbauten entlang der Wiener Ringstraße erinnert. Die Decke hier hat mir besonders gut gefallen.

Was man hier sieht, ist etwas, das das Museum "Staircase of Wonders" nennt. Scheinbar gibt es so eine Fülle von Exponaten, die nirgends untergebracht werden kann, dass sie ohne weitere Beschreibung in solchen Vitrinen in den Stiegenhäusern ausgestellt werden.

In der Abteilung für Edelsteine und Erze habe ich dieses seltsame Gebilde gefunden. Es ist eine Sandsteinformation aus dem Pariser Becken und erinnert mich entfernt an das Michelin-Männchen. Schon spannend, was die Natur so alles hervorbringt.

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Nur wenige Blocks vom Royal Ontario Museum liegt das Bata Shoe Museum. Es stand auf meiner Liste, und ein Beitrag im Radio, den ich auf dem Weg von Niagara Falls nach Toronto gehört habe, hat mich in dem Entschluss bestärkt, dorthin zu gehen. Es hat sich auch wirklich gelohnt, denn es war sehr interessant.

Im Untergeschoss wird die Geschichte des Schuhs beleuchtet, die Geschichte von Schuhwerk in verschiedenen Gesellschaften, die Bedeutung in verschiedenen Religionen und der Schuh als Massenprodukt. Es werden die verschiedensten Schuhe ausgestellt, unter anderem Kuhschuhe, Rasenlüfterschuhe und diese Mondschuhe.

In dieser Vitrine stehen Schuhe von berühmten Persönlichkeiten und es läuft ein Film, der zu jedem Schuh und seinen Trägern etwas erzählt. Die weißen Lackschuhe mit blau links unten gehörten zum Beispiel Elvis, der einsame Zebraschuh daneben Pablo Picasso. Der blaue Tennisschuh müsste von Andre Agassi sein, die Stiefel links davon von Winston Churchill und die pinkfarbenen Pumps sind aus dem Besitz von Marilyn Monroe.

In diesem Raum fand eine Sonderausstellung zum Thema Socken und Strümpfe statt. Die Deko fand ich nett.

Neben der Geschichte der Socken, der Manufaktur und einigen interessanten Fakten, wurden Socken aus aller Welt gezeigt wie diese hier. Zudem gab es auch Socken von berühmten Persönlichkeiten wie zum Beispiel Königin Victoria. Alles in allem eine spannende Sache zu einem Thema, über das ich mir nie wirklich viele Gedanken gemacht habe.

Ein weiterer Ausstellungsraum widmete sich dem indianischen Schuhwerk. Da hatte jeder Stamm seine eigenen Muster und es gab unterschiedliche Fertigungsmethoden. Wenn ich mir ansehe, wie liebevoll viele Schuhe bestickt waren, kann ich mir kaum vorstellen, wie viel Arbeit da drin steckt.

Eine andere Ausstellung widmete sich frühen Arten von Plateau-Schuhen. Da waren Folterinstrumente dabei, die ich mir kaum vorstellen konnte, von deren Existenz ich nichts geahnt habe. Da ist so ein moderner Stöckelschuh echt eine Wohltat.

Diese Form von Schuhwerk, für die ich nicht mal einen Namen kenne, schien aufgrund der Vielzahl der Exponante ziemlich verbreitet gewesen zu sein. Es wurde nicht nur die Machart beschrieben, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung und die Vorzüge im Alltag. Dennoch bin ich mit dem, we ich heutzutage tragen darf, wesentlich zufriedener als mit der Vorstellung auf solchen Stelzen durch die Gegend zu staksen...

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Tja, das war sie nun, meine Auswahl von Museen in Kanada. Das Zivilisationsmuseum ist in meinen Augen das Interessanteste, das ich je besucht habe - ich kann es nur jedem empfehlen. Das ROM war auch sehr spannend, obwohl ich an sich kein besonderer Freund von Museen mit so breiter Streuung bin. Und das Schuhmuseum ist etwas, über das ich bisher noch nie gestolpert bin, und somit war der Besuch dort auch was Besonderes. Die kleineren Museen waren jetzt nicht so herausragend, aber auch sie waren den Besuch wert. Einzig das Wissenschaftsmuseum in Toronto war Zeitverschwendung. Spannenderweise ist es schon das zweite Museum dieser Art, das ich so bewerte, obwohl ich technische Museen an sich mag. Aber man kann halt nicht alles gut finden...

Mittwoch, 26. Mai 2010

Reisebericht Kanada - Ottawa

Herzlich willkommen in Ottawa, der Hauptstadt Kanadas. Oder soll ich sagen, dem Hauptstädtchen? Irgendwie teilt Ottawa das Schicksal von Bonn: es war eine politische Entscheidung, diesen nicht besonders aufregenden Ort zur "capital city" zu machen. Und analog zum ehemaligen deutschen Bundeshauptdorf gilt: "Halb so groß wie der Friedhof von Chicago, aber doppelt so tot". Ok, fairerweise muss man sagen, dass ich an einem der höchsten Feiertage überhaupt vor Ort war - Ostersonntag. Abgesehen vom 25.12. ist das so ziemlich der einzige Tag, an dem alles so konsequent geschlossen ist. Nun ja, eigentlich ein Fall von SSKM, aber irgendwie wars schon gespenstisch. Über eine Sache konnte ich mich auf alle Fälle hier nicht beklagen...

... nämlich über das Wetter. Das war HERRLICH. Fast 20 Grad und kaum ein Wölkchen am strahlendblauen Himmel. Da kommen außergewöhnliche Perspektiven gleich noch mal einen Tick besser.

Hierbei handelt es sich nämlich (schon wieder) um eine Kathedrale Notre Dame. Ist zwar nicht besonders imposant, aber architektonisch ziemlich interessant, finde ich.

Besonders gut gefallen haben mir die metallverkleideten Türme und Details.

Wie man hier sieht, ist auch an der Seite Metall verarbeitet. Schön finde ich auch das Metallkreuz am Seitenschiff.

Ha, man fasst es kaum, ich hab doch noch eine Reflexion gefunden!

Da die Stadt ziemlich klein ist, habe ich es geschafft, für Nachtfotos noch mal an diese Stelle zurückzukehren. Hier gefallen mir vor allem die beleuchteten Türme.

Nicht nur in Montreal, sondern auch in Ottawa wird Kunst im öffentlichen Raum groß geschrieben:

SEHR groß, wie man hier anhand des Größenvergleichs mit Passanten sieht. Diese Riesenspinne fand ich ziemlich spannend, vor allem, wenn man sich die winzigen Auflagepunkte ansieht. Steht übrigens genau gegenüber der Basilika.

Oder auch den "Bauch" voller "Eier" - das wird langsam fast etwas alptraumhaft. Leider gabs kein beschreibendes Schild, aber sprechen Arachniden nicht für sich, selbst wenn sie zusammengeschweißt sind?

Das Gebäude rechts mit der roten Beleuchtung im Glaskobel ist die National Gallery of Canada - ein Kunstmuseum. Aber eigentlich wollte ich hier - mal wieder - das Licht herzeigen.

Auf der Sparks Street, DER Einkausstraße in Downtown, war das der lebendigste Anblick. Ich bin mir sicher, dass es des Sommers dort nett zu geht, aber am Ostersonntag war dort exakt tote Hose. Da war quasi NIEMAND. Es war fast so, als ob ich als Einzige eine Katastrophe überlebt hätte oder so. Auch mal eine spannende Erfahrung :)

Auch die Geschäftswelt in Downtown mit Glasfassaden war wie ausgestorben. Ok, das wundert mich nicht weiter, das dürfte wohl an Sonntagen immer so sein. Generell wirkt das Geschäftsviertel wie eine mittelgroße amerikanische Stadt, die fast schon krampfhaft modern sein möchte, aber dennoch ihr historisches Erbe nicht abschütteln kann.

Erbe zum Beispiel im Form dieses Gebäudes, des Parlaments, das - seltsamerweise - so ziemlich der lebendigste Platz war. Hier von der Basilika aus gesehen.

Dieses seltsame Türmchen gehört zum East Block des Parlaments. Wie man sieht, ist die Architektur hier eher alt und verspielt - das hat einen ganz eigenen Charme, finde ich.

Selbiges gilt für den Westblock, der auch eher viktorianisch anmutet. Der strahlende Sonnenschein hat das Fotografieren nicht unbedingt leichter gemacht, muss ich gestehen. Klar, trübes Wetter kann auch nichts, aber wenn die Sonne so stark scheint, hat man irgendwie auch kein wirklich tolles Licht.

Kleines Perspektivenspiel mit dem Tor, dem Hauptgebäude des Parlaments und dem dazugehörigen Turm.

Das hier ist die Centennial Flame, eine Flamme in einem Springbrunnen, die an das 100-jährige Bestehen der Kanadischen Konföderation im Jahr 1967 erinnert. Die "Plaketten" im Brunnen tragen die Wappen der Provinzen. Das Ganze steht symbolträchtig zwischen den drei Parlamentsgebäuden.

Nahaufnahme des Peace Towers, der sich in der Mitte des Parlament-Hauptgebäudes mit vielen verspielten Details und Wasserspeiern erhebt.

Eigentlich kennt man solche Fenster ja von Kirchen. Was ich noch nie gesehen habe, waren gotische Fenster mit Vorhängen. Oder ich habs zumindest noch nie wahrgenommen.

Fehlt doch eigentlich nur noch Buntglas, oder? Wäre aber für ein gesetzgebendes Gebäude vielleicht nicht so angemessen. Eigentlich wollte ich die Gratistour mitmachen, die angeboten wird, aber leider war ich gegen drei dafür schon zu spät und habe keine Platz mehr bekommen. Schade, denn ich hätte es spannend gefunden zu erfahren, wie Kanada gelenkt und regiert wird. Von den sicher interessanten architektonischen Anblicken mal ganz abgesehen.

An der Rückseite, zum Steilufer hin, steht dieser sehr verspielte Anbau. Irgendwie musste ich dabei spontan an die Mexikokirche in Wien denken... Wegen der verpassten Führung kann ich nun auch leider nicht mit Details dienen, wofür das Dingens gut ist. Ich hätte es schon gerne gewusst..

Eigentlich ist Kanada immer noch Teil des British Commonwealth (und bislang ist mir noch NIE aufgefallen, dass das eigentlich "Gemeinschaftswohlstand" heißt...). However: Hier reitet Queen Elizabeth in einer jüngeren Abbildung ihrer selbst im Park zwischen Parlament und Fluss.

Ja, genau diesem Strom, dem Rideau River. Was man hier am anderen Ufer sieht, ist das Zivilisationsmuseum, vermutlich das beste Museum, in dem ich je war. Und ja, die Museen stehen noch auf meiner ToDo-Liste :)

Ein Kriegsdenkmal - eine Hauptstadt muss sowas haben. Damit man Platz und Material spart, schmeißt man halt mal eben mehrere Kriege in ein Denkmal - wer wird denn kritisch sein :p

Hinter der National Gallery (hochscrollen - Spinne!) ist ein Hügel, von dem aus man hübsche Fotos machen kann. Den habe ich todesmutig mitten in der Nacht bestiegen - sozusagen. Mutig deswegen, weil es da genau null Beleuchtung gibt, und ich darauf angewiesen war, mir meinen Weg zu ertasten. Damit keiner unterfällt, stand da auch ein Zaun, mit Spitzen versehen, damit sich auch keiner traut drüber zu klettern. Tja, meiner Jacke war das recht wurscht, die hat sich in einem dieser Dinger verfangen, und als ich grad besonders schwungvoll war, um ein ganz tolles Foto zu machen, hörte ich nur ein lautes "RATSCH" - von der seitlichen Eingrifftasche ist die Windjacke nach oben und unten ordentlich eingerissen. Nun ja - es hätte schlimmer kommen können. Die Bilder waren dieses Opfer aber wert. Hier zwei Exemplare:

Das Parlament von "halb hinten" inklusive Rideau-River.

Und die Alexandra Bridge, die die Hauptstadt Ottawa mit der Partnerstadt Gatineau verbindet - oder auch Ontario mit Quebec.

Als kleinen Vorgeschmack auf die Niagara-Fälle habe ich die Rideau Falls besucht, die sich vom gleichnamigen Kanal in den ebensolautenden Fluss ergießen:

Nun ja, besonders hoch oder imposant sind sie nicht, muss ich zugeben. Aber schön, wie sich hier die untergehende Sonne in der Farbe des fallenden Wassers wiederfindet.

Und obwohl sie nicht wirklich hoch sind - das Wasser hat einen ordentlich Zahn drauf. Da möcht ich nicht unbedingt drunterstehen und duschen...

In direkter Nähe (die Fälle sind rechts des Bilds) steht diese stilisierte Weltkugel mit Adler, die mich an ihre Pendants in NYC erinnert hat. Auf den Wänden links und rechts stehen Namen - die Namen von Gefallenen im 2. Weltkrieg. Wir haben es hier also mit einem weiteren Kriegsdenkmal zu tun.

Zum Abschluss möchte ich noch den Sonnenuntergang zeigen, der für tolles Licht gesorgt hat. Ganz so orange war er nicht *gesteh*, das hat das Sonnenuntergangsprogramm der Kamera gezaubert. Aber sieht doch fast so aus, wie man es kitschigerweise kennt ;)

Obwohl ich das pralle Leben in Ottawa durchaus vermisst habe, war das wohl die Stadt, die mir auf meinem Trip am besten gefallen hat. Es könnte auch am schönen Wetter liegen, oder daran, dass ich hier fast 800 Fotos gemacht habe ;) Ottawa hat jetzt zwar touristisch nicht so viel zu bieten, aber einen zweiten Tag hätte ich locker noch mit Dingen füllen können, wenn ich's draufangelegt hätte. So habe ich mir die interessantesten Sachen rausgepickt und damit eine tolle Zeit verbracht.