Dienstag, 26. Januar 2010

Reisebericht: Hershey, PA, 16.11. und 20.11.

Der Eine oder die Andere kennt vielleicht "Hershey"-Schokolade, und bei diesen hats bei der Überschrift vielleicht schon im Hinterkopf gebimmelt. Ja, tatsächlich, ich war dort, wo die Schokolade gemacht wird:

Man kann keine richtigen Touren durch die Fabrik machen, sondern wird wie in einem Vergnüngungspark in kleinen Waggons durch eine Erlebniswelt gefahren. Und hinterher ist man eingeladen, sich im angeschlossenen Shop einzudecken :D Natürlich hab ich das Angebot angenommen ;)

Hershey ist ein nettes kleines Städtchen, das Anfang des 20. Jahrhunderts allein zum Behufe der Schokoproduktion auf der grünen Wiese entstanden ist. Milton Hershey, Gründer der Schokoladenmanufaktur, hat großen Wert auf das Wohlergehen seiner Arbeiter gelegt, und nicht nur ein sozial orientiertes Kleinstädtchen hochgezogen, sondern auch viele Vergnügungsmöglichkeiten für seine Angestellten geschaffen. Eine davon ist der Vergnügungspark, der im weitem Umkreis einen guten Ruf genießt. Bei meinem ersten Besuch war er leider geschlossen, aber auf dem Weg von Washington nach New York habe ich dort noch mal Zwischenstopp gemacht und einen Abend zwischen weihnachtlich geschmückten Karussels und Achterbahnen verbracht.

Bei meinem ersten Besuch hab ich mich schon über die riesige Kreuzung gewundert, aber um die Besuchermassen zum Vergüngungspark und dem Sportstadion zu leiten, muss es auch entsprechend Infrastruktur geben.

Außerhalb von Heshey dann endlich - ein Diner! Danach hatte ich so lange gesucht! Obwohl sie uns immer wieder vorgeführt werden in Filmen, war es sehr schwer, eines zu finden. Die meisten davon sind wohl mittlerweile geschlossen. Es war dann auch ein ganz besonderes Erlebnis uind ich habe die Atmosphäre sehr genossen.

Und hier noch ein paar Impressionen von meinem zweiten Hershey-Besuch, der mich nur in ein Motel und den Vergnügungspark geführt hat.

Saisonal angepasster Wegweiser durch den Park.

Leider waren viele Attraktionen geschlossen, und nur ein Teil der Fahrgeschäfte auch zugänglich. Aber damit war zu rechnen. Dafür war überall hübsch dekoriert - auf der Achterbahn ist zum Beispiel Santas Schlitten zu sehen.

Ein Weihnachtsbaum, getoppt von einem Hershey-Kiss, der Erfindung, die Hershey-Schokolade so berühmt gemacht hat. Im Hintergrund ist ein stilisierter Weihnachtsbaum auf einem Pfahl zu sehen - das ist der "Kissmas Tree" vom Wegweiser. Entlang des Pfahls fährt nämlich ein RIESIGER Hershey-Kiss mit Fenstern auf und ab, aus dem man einen tollen Ausblick hat. Wegen der gebogenen Scheiben und der Vibrationen wars aber unmöglich, von dort aus Fotos zu machen.

Weihnachtskitsch wohin das Auge blickt...

Und dann noch das Karussell. Ja, an das denke ich gerne zurück, dabei habe ich die Bilder vor dem Vorfall gemacht.

Ein schönes, altes, deutsches Kettenkarrussell, handbemalt, mit Firmennamen und Anschrift irgendwo aus Deutschland. Das stand da sicher schon lange. Kein Wunder, dass es dann stecken blieb...

Dabei habe ich dieses Foto noch gemacht, bevor alles losging. Die dunkel angezogene Person eher rechts - das bin ich. Gleich danach ging das Karussell in die Lüfte - und blieb nach zwei Metern stecken. Da hing ich nun in der Luft, und nichts ging weiter. Die Angestellten wurden schon leicht panisch, ich blieb ganz cool. Immerhin ist das eine Geschichte, die man erzählen kann :)

(Take it to the) MÄX

Tja, hier bin ich nun in Braintree, MA, ein paar Meilen südlich von Boston. Diesen Ort habe ich mir ausgesucht, weil er gut an den Interstates liegt und ich von hier aus zu allen meinen Zielen in der Gegend gut komme. Hier gibt es ein nettes Motel – und ein solches brauch ich, weil ich ja mein Auto auch parken muss. Da hab ich in Boston auf die Schnelle nichts gefunden. Und ja, ich gebs zu, ich hab mich auch für diesen Ort entschieden, weil mir der Name gut gefällt Da entsteht vor meinem inneren Auge ein Bild von einem Baum, an dem Gehirne wachsen. Und immer, wenn jemand was Blödes sagt oder tut, kann man ihm hier ein Ersatzhirn pflücken :D Mein Traum würde wahr, die Welt würde immer intelligenter (ok. vorausgesetzt, die Ersatzhirne sind besser als die ersetzten). Und den Satz “Herr, lass Hirn vom Himmel regnen” könnte man umwandeln in “Herr, lass es Erntezeit sein”.

Ok, genug von diesem Wortspiel, ab zum nächsten. Gebucht hatte ich ja einen Kleinwagen, die kleinste in den USA erhältliche Größe, nämlich ECAR (Economy, Zweitürer, Automatik, Klimaanlage – für die, die wissen möchten, was das Kürzel heißt). Als mir dann bei Alamo für 6 Dollar pro Tag ein Upgrade angeboten wurde, habe ich zugegriffen. Allerdings dachte ich, dass ich auf IDAR (Intermediate = Mittelklasse, ca. VW Jetta, Skoda Octavia) aufgebessert wurde. Tatsächlich ist der Nissan Maxima, der mich transportiert, ein PDAR, also ein Premium-Fahrzeug, also Mercedes C-Klasse oder ähnlich. Ok, von der Ausstattung her kann Cecilia circa gleich viel, aber Platz gibts im Nissan natürlich einiges mehr. Mitteleuropäischen Ansprüchen genügt die Innenraumanmutung klarerweise nicht, aber das ist vermutlich auch ein Grund, warum dieses Modell bei uns nicht erhältlich ist. Die Amis sind auf alle Fälle glücklich damit, gemessen am Anteil im Verkehr, auch wenn man den Maxima etwas seltener sieht als den überall vertretenen Toyota Camry. Besonders viel Spaß hab ich mit dem Keyless Entry and Go, das meinem Auto ja leider fehlt. Ja, Autos sind Spielzeuge für mich…

Und wie das Auto so dasteht, ganz in schwarz, mit kräftigen Flanken, muskulös-sinnlich geschwungener Motorhaube und scharf geschnittenen Scheinwerfern, braucht es einen männlichen Namen. Der ist naheliegend, wenn man sich ansieht, was Nissan ihm mit auf den Weg gegeben hat. Drum heißt “mein Brüller” jetzt Max, mit englischer Aussprache also MÄX. Brüller deshalb, weil die 6-Gang-Automatik beim Kickdown 2 Gänge runterschaltet und der Motor sich ganz schön bemerkbar macht. Und wir kommen gut miteinander aus: ich behandle ihn netter als die Mieter vor mir und er tut, was ich sage. Trotz fehlender Parkpiepser klappt auch das Parken gut. Die Befürchtung, die ich eigentlich als passionierte Schaltwagenfahrerin hatte, nämlich, dass ich mit der Automatik kämpfen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, ich find das eigentlich ziemlich komfortabel – ein Ding weniger, an das ich denken muss. Es ist sonst noch genug, auf das ich achten muss, vor allem, weil die Spiegel ganz anders reflektieren als ich es gewohnt bin. Und das produziert einen riesigen toten Winkel, in dem auch einer von den hier üblichen Pick-up-Trucks verschwindet. Also heißt es schauen, schauen, schauen.

Das Navi (leider extern) hat anfangs gezickt: Das wollte sich einfach nicht aus der 40th Street in Manhattan wegbewegen, auch als ich lang schon in New Jersey war… Aber mit einem Reset konnte ich dem Ding Manieren beibringen, und jetzt kommen wir aus, auch wenn ich es etwas minderqualifziert finde im Vergleich zu den Navis, die ich bislang hatte. Aber nicht nur nobody sondern auch nothing is perfect…

Über die in meinen Augen atemberaubend spektakuläre Washington-Bridge gings dann auf die I95 Richtung Nord-Osten. Da begann das Abenteuer “discovering parts of the United States by rental car” dann erst wirklich Spaß zu machen. Erst fühlte es sich zwar etwas unwirklich an, so wie es Dinge oft tun, die man lange schon tun wollte, aber dann stellte sich ein unglaubliches inneres Hü-Hüof-Gefühl ein, eine Art Perpetuum-mobile-Flummy (Ich bitte um den Einsatz von Fantasie, ein besserer Vergleich fällt mir grad nicht ein). Schade nur, dass ich nicht fahren und fotografieren gleichzeitig kann, denn die Eindrücke entlang der Strecke wären durchaus dokumentierenswert. Aber “you can’t always get what you want”, und ich hab ja schon so viel bekommen, da mach ich an der Stelle (fast) gern Abstriche.

EDIT: Ich hab mir grad die Spezifikationen angesehen... Da werkelt ein 3.5 l-V6 mit 290 HP (keine Ahnung, wie man die in PS transformiert, aber auf alle Fälle: VIEL KRAFT). Da muss ich ja direkt dankbar sein, dass ich bis zu 32 Meilen (1,609 km) aus einer Gallone (3,785 l) hole - sind ca. 7,5 l/100 km. Im Moment halte ich bei ca. 27 MPG, was immer noch über dem angegebenen Verbrauch (26 MPG auf der Autobahn) liegt, und ca. 8,7 l bedeutet. Braver MÄX, und das, obwohl er gestern mit mir im Stau stehen musste. Boston halt...

Reisebericht: MÄX - Zahlen, Daten, Fakten und Ansichten

Als ich beschlossen habe, einen kleinen Teil von Amerika mit einem Mietwagen im wahrsten Wortsinn zu erfahren, habe ich beschlossen, die kleinste Kategorie zu buchen, die erhältlich war. Schließlich war ich jahrelang mit Kleinwagen wunderbar hingekommen, und auf amerikanischen Highways darf man eh nicht schneller fahren als 110 km/h. Sollte also dicke reichen.

Als ich dann bei der Mietwagenstation zur Abholung erschien, wurde mir auch prompt ein Upgrade angeboten, und zwar von dem gebuchten Economy-Car (Chevrolet Aveo or similar) auf ein hübsches schwarzes Auto, das vom verglasten Halbstock aus unten auf der Straße erkennbar war. Da ich schon sehr viel Gepäck hatte, habe ich die 6 Dollar pro Tag draufgelegt und die Schlüssel zu MÄX bekommen. Dieser Nissan Maxima war mir dann auch für fast 3000 Kilometer ein treuer Begleiter, mit dem ich sehr viel Spaß hatte.

Eigentlich war ich ja auf den ersten Blick der Meinung, dass ich etwas aus der Kategorie VW Jetta oder ähnlich bekommen hätte, tatsächlich ist der Maxima ein Premium Car, was sich auch bald gezeigt hat. Er war nämlich ganz schön groß: 4,85 m lang, 1,85 m breit und 1,47 m hoch, 1,6 Tonnen schwer und 290 PS unter der geschwungenen Motorhaube. Basispreis ist ab 30000 Dollar, womit er für amerikanische Verhältnisse schon jede Menge Geld kostet.

Von meinem ersten Motelzimmer in Braintree, MA, auf den Parkplatz runterfotografiert, wo MÄX ganz einsam und etwas dezentriert stand. Irgendwie hatte ich zwar absolut keine Probleme, das Auto in enge Lücken zu zirkeln, trotz der fehlenden Parkpiepser. Aber wenn ich ohne andere Autos als Richtlinie grad einparken sollte, dann bin ich immer sehr nah an einer der Linien gelandet. Denn irgendwie war ich der Meinung, dass die Lücken in den USA nicht breiter sein können als die, die ich gewohnt bin ;)

Selbiges in Raritan, NJ, in der Nähe von Princeton. Aber immerhin stand MÄX da direkt vor meiner Tür. Ich hab mich jedes Mal wieder gefreut, wenn ich zu dem Auto hingegangen bin, ich find, er ist schon fesch. Auf muskulöse Art. An sich nicht meine Art von Auto, aber in diesem Fall...

Ungewöhnlich gezeichneter Scheinwerfer mit hohem Wiedererkennungswert, wenn auch fast etwas gewöhnungsbedürftig. Und man kann hier auch sehen, dass der Lack nicht der Beste ist. Das Auto hatte ca. 25000 Meilen/40000 km und wurde entsprechend oft gewaschen, was man auch sehen kann.

Die passend zum Scheinwerfer gezeichnete Heckleuchte. Auffallend ist die nicht ganz schließende Tankklappe, die ich einem nachlässig reparierten Seitenschaden hinten zuschreiben möchte. Da war nämlich auch die Lackierung etwas anders. Gekauft hätte ich MÄX also nicht, wenn ich auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen gewesen wäre ;)

Und zwar nicht nur wegen des "Buserers" am Popsch, sondern auch wegen der ziemlich billigen Innenausstattung. Davon hab ich leider kein richtiges Bild gemacht, warum auch immer. Dafür kann ich nicht mehr mit letzter Sicherheit sagen, was ich hier eigentlich abbilden wollte, als ich Richtung Boston im Stau stand ;) Das Navi, über das ich dann nicht so begeistert war, war ein portables Gerät, das nicht mal richtig festgemacht werden konnte. Es hatte eine Art Moosgummi an der Unterseite, und die Knubbel waren mit Kügelchen gefüllt. Ging in den meisten Situationen erstaunlich gut, bei scharfen Kurven oder abrupten Bremsungen flogs dann aber auch schon mal durchs Auto. Auf dem Display im Tacho ist die obere Zahl die Angabe von Miles per Gallon - der Wert entspricht ca. 8,6 l/100 km. Angegeben ist das Auto lt. Nissan mit 19 MPG in der Stadt und 26 auf dem Highway. Ich bin alles mögliche gefahren und schon auch mal im Stau gestanden, und habe ca. 28 Meilen aus einer Gallone geholt, also etwa 8,6 l verbraucht. Für dieses Auto in meinen Augen ein toller Wert.

Und hier waren die 290 Pferdchen daheim - alles unter Abdeckungen, nur an einigen, wenigen Stellen sah man bis zur Straße runter, wenn man ganz genau geschaut hat.

Mein allerliebstes Lieblingsspielzeug war ja das Keyless-Go-System. Ich musste den Schlüssel nie zur Hand nehmen, es reichte, wenn er in der Hosentasche oder Handtasche war. Hin zum Auto, Knöpfchen an der Tür drücken, Auto sperrt auf. Rein, Tasche auf den Sitz, Startknopf drücken, Automatik auf Drive und los gehts. Für mich als technisches Spielkind war das traumhaft :) Etwas gewundert habe ich mich allerdings, dass ich beide Schlüssel bekommen habe. Ich fragte bei der Anmietung ob das so gedacht sei, dass ich einen abgeben könne, falls ich einen Parkservice in Anspruch nehmen muss, wurde aber belehrt, dass die Schlüssel nicht getrennt werden dürfen. Ich hab mich gewundert, aber meine Güte, andere Länder, andere Sitten. Tja, und dann lese ich am ersten Abend, was auf dem Schlüsselanhänger steht... Ganz schlau! Als ob noch nie ein Mieter einen Schlüssel verloren hätte, oder ihm gestohlen wurde. Und dann kann man nicht mal rasch für Ersatz sorgen. Sei's drum, ich habe gut auf die Schlüssel aufgepasst und beide wieder abgegeben.

Vierrad trifft Zweirad. Und ja, ich war auch wirklich in der Fabrik von Harley Davidson drin - dazu folgt bald ein Reisebericht.

Ein Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke, ist der Besuch in einem Diner in der Nähe von der Heshey, PA. Kaum hatte ich geparkt, kam eine alte Lady in diesem alten Riesenschlitten, und parkte sich neben mir ein. Als sie ausstieg, musste ich wirklich grinsen - sie war vielleicht 1,50 groß und sah eigentlich kaum übers Lenkrad. Ländliches Amerika wie es leibt und lebt.

Und dann und wann fühlte ich mich sogar an zuhause erinnert - hier ein ALDI im ländlichen Pennsylvania. Ich wusste zwar, dass es ALDI auch in den USA gibt, aber das war der Einzige, den ich auch wirklich gesehen habe. Natürlich war ich dann auch drin, aber ich denke, in Amerika gibt es viele bessere Einkaufsmöglichkeiten. Gegen den typischen amerikanischen Supermarkt fällt ALDI doch ziemlich ab, sowohl in Sachen Ambiente wie auch Auswahl. Beim Preis scheint sich das alles nicht viel zu geben, aber so genau habe ich natürlich nicht verglichen.

Was ich leider vergessen habe zu fotografieren, war die Aufschrift auf dem beifahrerseitigen Seitenspiegel. Da stand das typische "Objects in the mirror are closer than they appear". Offen gestanden gehe ich damit gar nicht konform. Im Gegenteil, in den amerikanischen Spiegeln sind Dinge noch weiter weg als ich es gewohnt bin. Aber vermutlich muss man sowas draufschreiben, damit man nicht verklagt wird...

In den Autozeitschriften, die ich mir in den USA gekauft habe, um einen Überblick zu bekommen, wird der Maxima jeweils recht gut bewertet. Ich bin mal so frei und zitiere aus einer:
"The highlight of the redesigned Maxima is its smooth, powerful 3,5-liter V6 that is mated to a continuously variable transmission that allows for manual overrides. Acceleration is very quick, and it gets 22 mpg overall, but on premium fuel. The ride is comfortable enough and the cabin is quiet. A low roof line inhibits rear access and visibility. Controls are simple to use and the front seats are very comfortable and supportive, but interior materials and rear-seat room aren't as impressive." Consumer Reports, späte Ausgabe 09

Montag, 25. Januar 2010

Reisebericht, 17.11: Antietam Civil War Battlefield

Um dem Ruf meines Testergebnisses vom Lonely Planet gerecht zu werden, erzähle ich jetzt mal von einer hierzulande eher weniger bekannten Attraktion. Dazu möchte ich erst mal etwas ausholen: Eines der Dinge, über die ich auf meinem Trip unbedingt mehr erfahren wollte, war der Amerikanische Bürgerkrieg. Für mich war die Sache mit der Sklaverei schon als Kind nur ganz schwer zu begreifen, und ich hab über dem Buch "Onkel Toms Hütte" ziemlich geheult. Dennoch wollte ich der Sache auf den Grund gehen - wie kann es geschehen, dass Menschen denken, dass andere Menschen ihr Eigentum sind, gratis für sie zu arbeiten haben und man sie misshandeln und verkaufen darf? Von meinem liberal-humanistischen Standpunkt her ist das auch unter Zuhilfenahme einer großen Portion Abstraktion und Zynismus nicht verständlich.

Um also in dieser Hinsicht meinen Horizont zu erweitern, war ich in mehreren Museen, die zum Teil exklusiv das Geschehen nachgezeichnet haben oder die sich zumindest in Bereichen ihrer Ausstellung mit dem Thema beschäftigt haben. Ganz toll fand ich, dass Nähe Sharpsburg, MD, ein ganzes Schlachtfeld erhalten wurde und noch besichtigt werden kann. Dort wurde am 17.09.1862 eine der blutigsten Schlachten des Kriegs geschlagen, obwohl Gettysburg bekannter ist.

Dennoch habe ich mich auf den Weg ins ländliche Maryland gemacht. Trotz Karte und Navi habe ich die Fahrt etwas unterschätzt, da gings teilweise durch sehr kleine Sträßchen, und ein gutes Stück weit sogar durch den Wald, irgendwo an der Grenze zwischen Pennsylvania und Maryland. Aber MÄX und ich haben auch diese Herausforderung gemeistert. Beim Schlachtfeld angekommen, bin ich als erstes mal ins Besucherzentrum/Museum. Der Angestellte dort bot mir an, dass ich mir einfach eine Karte nehmen dürfe und mit dem Auto übers Schlachtfeld fahren kann, oder gegen geringen Obulus (3 oder 4 Dollar) das Museum auch noch besichtigen darf. Ich hab mich für die Museumsvariante entschieden, und mir noch den Weg übers Schlachtfeld erklären lassen. Da der insgesamt um die 15 Meilen lang ist, habe ich verstanden, dass der Angestellte mir eine automobile Erkundung vorgeschlagen hat. Eigentlich hatte ich diese Idee etwas belächelt, aber das Areal ist wirklich riesig.

Wirklich viel schlauer bin ich bei dieser ganzen Aktion nicht geworden, das muss ich zugeben. Aber ein paar Einblicke habe ich gewonnen, und die möchte ich mit Euch teilen.

Schön ist es dort schon, oder? Mir gefiel die Lichtstimmung am Himmel in der Gegend sehr gut.

Eine schmale Straße wie diese, grad breit genug, damit zwei Autos aneinander vorbeikommen, führt um und durch das Schlachtfeld. Alles sehr natürlich und ländlich...

Und ziemlich so belassen, wie es früher mal war. Diese Art von Zäunen findet sich überall auf dem Areal.

Ja, der Fortschritt ist so ein Ding... Die Zäune sind ziemlich sicher auch noch aus der Zeit...

Das Museumsgebäude selber mit einigen restaurierten Kanonen. Im Museum hängen einige Bilder, die die Schlacht im wahrsten Sinne des Wortes nachzeichnen und es gibt einige Informationen zu der Schlacht an sich.

Überall entlang des Weges gibt es Gedenkstätten, Säulen, Tafeln, Platten, Reliefs - in fast jeder möglichen Form wird das damalige Geschehen aufgearbeitet und quasi unvergesslich gemacht. Und ich war dankbar, dass ich den weiten Weg mit MÄX zurücklegen konnte, und nicht zu Fuß gehen musste. Abgesehen davon, dass ich die weite Strecke unmöglich geschafft hätte, bevor es dunkel wird. Aber irgendwie fühlte ich mich schon verweichlicht, die Soldaten mussten ja auch...

Eine Kirche, die damals eine wichtige Rolle gespielt hat. Von außen gar nicht als Gotteshaus zu erkennen, und auch innen sehr schlicht, aber sehr wichtig für die Menschen.

Der Friedhof ist zwar nicht bei der Kirche, aber auch einen solchen gibt es auf dem Schlachtfeld.

Es wohnen heute noch Menschen in dem Gebiet, und zwar in den alten Häusern, soweit sie noch stehen. Allerdings sind diese nicht zur Besichtigung freigegeben.

Mein persönliches Highlight war dieser Turm. Von diesem zu Aussichtszwecken errichteten Bauwerk kann man das Schlachtfeld überblicken und weit übers Land sehen.

Und damit der "gemeine Tourist" weiß, was es wo zu sehen gibt, steht da eine Art Wegweiser. Das ganze Gelände ist gut aufbereitet, wie so ziemlich jedes Museum, das ich in den Staaten besucht habe.

Der Stiegenaufgang - ziemlich rutschig. Irgendwie war mir dann doch nicht so ganz wohl, quasi meilenweit von allem in diesem Turm. Wenn was passiert wäre, dann wäre sogar mein Handy im Auto gewesen. Aber es ging alles gut :)

Aussicht aus einem der schießschartenartigen Lichtlöcher in der Außenmauer.

Die berühmte Brücke über den namensgebenden Antietam Creek (den ich nicht um die Burg richtig ausgesprochen kriege) und das berühmte Bild dazu (allerdings von der anderen Seite).

Dieser Ausflug war ein besonders lehrreicher für mich und ich war froh, dass ich die lange Fahrt auf mich genommen habe.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Reisebericht: Plymouth, Do. 12.11., Teil 2

Plymouth hat mir bereits bei meinem Besuch sehr gut gefallen. Rückblickend möchte ich sagen, dass es das charmanteste Städtchen ist, in dem ich auf dieser Reise war. Es ist sehr originell, nicht stereotyp. Irgendwie in der Zeit stehengeblieben, in den 50er oder so. Wären da nicht die modernen Auto, so hätte ich geglaubt, dass ich eine kleine Zeitreise gemacht habe. Aber macht einen kleinen Streifzug mit mir:

Das Fifties-Ambiente – nur der Mercl stört. Leider war das Wetter nicht so toll, aber das fällt mir jetzt mehr auf als damals.

Wenn man wer ist, dann begnügt man sich hier nicht mit einem Klingelschild, sondern schreibt das gleich über die Tür. So gehört sich das für New-England-Adel ;)

Gedenkstätte für eine der Pilgerinnen, der Geschichte kommt man an diesem Ort nicht aus.

Man kommt ihr wirklich nicht aus. Allerdings kommt man ihr auch nicht näher – rein durfte ich da nicht, es war geschlossen.

Auch diese Kirche, die sich ihrer historischen Bedeutung als erste ihrer Art rühmt, war nicht zugänglich. Schade, ich hätte mir sie gerne angesehen. Im Gegenzug hab ich dafür vergessen, für welche Glaubensgemeinschaft sie steht. Geschieht ihr recht! ;)

Auch hier wird Patriotismus groß geschrieben, wie fast überall, wo ich war.

Im Gegensatz zu vielen anderen Orten, sind die Geschäfte im Ort eher nicht von großen Ketten, sondern kleine Einzelunternehmen. Das trägt natürlich zum Charme bei. Hier eine kleine Auswahl:

Banken braucht man immer, keine Frage!

Wie groß hier wohl die Auswahl an Büchern ist? Das Lädchen wirkt so klein…

Eigentlich wär ich schon neugierig gewesen, was im Curiosity-Shop so verkauft wird, aber leider hielt man hier gerade Mittagspause. Der kleine Pilger vor der Tür war aber eine gewisse Entschädigung.

Faszinierend, was man auf so kleinem Raum alles unterbringen kann. Vielleicht besteht die Brautboutique aber auch nur aus Katalogen, aus denen Frau sich dann Heiratsbedarf bestellen kann (nein, keine Männer, nur das komische weiße Zeug, das scheinbar zum Heiraten gebraucht wird :D). Immerhin ist hier ein Friseur – etwas, das ich relativ händeringend gesucht habe, weil meine Haare schon eine Katastrophe waren. Aber da hatte ich grad keine Zeit, und mir war nach Schnitt, nicht nach Hochsteckfrisur.

Die “Blue Blind Bakery” fand ich auch ziemlich pittoresk. Vor allem, weil das Geschäft in einer Seitenstraße liegt – da gibts sicher nur Stammkundschaft.

Für öffentlich Spektakel war das Geschäft etwas wenig aufsehenerregend ;) Beim näheren Hinsehen – oder lag es doch an meiner Brille – erschloss sich der Sinn dann doch.

So sah es im Schaufenster aus. Eigentlich war ich kurz versucht, dass ich da reinmarschiere und ihnen für Sabine einen Teil der Schaufensterdeko abluchse. Aber ein “Closed”-Schild hat mich leider abgehalten. Trotzdem irgendwie herzig.

Die moderne Welt ist aber doch auch hier angekommen. Dieser Piercing-Shop teilt sich einen Eingang mit einem China-Restaurant, das aber leider geschlossen war. Somit konnte ich das Angebot, in ein Piercing zu spazieren, leider nicht annehmen ;) Ja, da hatte ich so eine “English for Runaways”-Anwandlung. Man beachte bitte auch den obligaten Coffee-to-go, der sich da spiegelt.

Nach dem Spaziergang war ich noch im Pilgrim-Hall-Museum, dem ältesten und jüngsten Museum der Vereinigten Staaten. Gegründet 1824 wurde es im Jahr 2008 komplett renoviert und wiedereröffnet. Leider gabs da aber auch Fotografierverbot, wegen der empfindlichen Exponate. So kann ich zum Abschied nur mit einem Bild von MÄX dienen, der an der Parkuhr brav auf mich gewartet hat: