Sonntag, 8. November 2009
Mind your step!
Allerdings verhält es sich auch so, dass ich schwache Sehnen und Bänder habe und häufiger mal umknicke. Vermutlich ist die Frequenz je Strecke immer gleich groß, aber da ich hier SEHR viel laufe, fällt es mir natürlich mehr auf - immer wieder malträtiere ich meine Knöchel. Das verursacht zwar keine bleibenden Schmerzen, aber ist dennoch lästig. Zudem tun meine Füsse und meine Unterschenkel ohnehin von der ganzen Hatscherei schon ziemlich weh - langsam ist das schon nicht mehr feierlich, was ich hier an Kilometern abspule. Mein Körper murrt zwar dann und wann, macht aber mit, wenn ich erst mal den Willen aufgebracht hab, die ersten paar Schritte zu tun. Zur Belohnung wird auch jeden Tag schon geschmiert und mit Pfefferminzspray gesprüht. Ansonsten wär wohl auch mit Willenskraft nicht mehr viel zu machen...
Als es mich heute auf einer belaubten Stiege langgestreckt hat, waren auch gleich zwei Männer an meiner Seite, um mir zu helfen, falls nötig. Natürlich hat mein Stolz das nicht zugelassen, aber ich empfand es schon als angenehm, dass man hier nicht einfach allein gelassen werden würde, wenn was geschähe. Man achtet hier einfach mehr auf seine Mitmenschen als ich es gewohnt bin. Irgendwie fühl ich mich dabei wohler und sicherer - auch wenn ich zum wiederholten Mal die einzige Weiße in einem U-Bahn-Wagon bin.
Samstag, 7. November 2009
Hotel Carter
Als ich das Hotel gebucht habe, habe ich das den miesen Kritiken im Internet zum Trotz gemacht. Ich wollte da übernachten, wo das Leben pulsiert, also in der Nähe vom Times Square. Und ich wollte ein eigenes Bad, kein Etagenbad. Das Zimmer mit anderen Leuten zu teilen, fiel ebenfalls aus. Somit blieb nicht mehr viel Auswahl. Die meisten Kritiken bezogen sich auf das Alter des Hotels und unzureichende hygienische Zustände. Nun, mit letzteren bin ich auch letztes Mal klargekommen, als ich mir für die Hälfte des Preises ein Zimmer in schlechterer Lage geteilt habe, und das Bad am Gang hatte. Und was will ich schon für weniger als 80 Euro pro Nacht in Manhattan erwarten?
Ich war also auf das Schlimmste eingestellt und hatte mir schon den nächsten Duane Reade herausgesucht, um notfalls Putzmittel besorgen zu können. Es hat sich herausgestellt, dass das nicht notwendig ist, das Zimmer ist wesentlich besser als erwartet. Klar, das ganze Hotel ist alt und alles andere als fachgerecht “renoviert”, über vieles ist einfach immer und immer wieder drübergestrichen worden. Aber es ist soweit sauber, das Zimmer ist groß und hell, das Bett ist riesig. Ok, es ist wegen der Lage etwas laut, aber da schaffen Oropax Abhilfe. Damit, und mit einer Schlafmaske, schlafe ich ziemlich gut. Anders wird man sich in Manhattan aber generell schwer tun zu schlafen, denke ich.
Etwas irritiert hat mich, das das Zimmer nicht jeden Tag gemacht wird, aber damit kann ich leben. Daheim putz ich ja auch nicht täglich oder wechsel täglich Handtücher und Bettwäsche.
Um den Review für meine Kolleginnen zu komplettieren: Es gibt kein Frühstück, aber einen kleinen Laden gleich nebenan, der Sandwiches usw. anbietet. Getestet hab ich ihn aber noch nicht. Es gibt im Zimmer keinen Kühlschrank oder eine Mikrowelle, irgendwas zubereiten geht also nicht. Generell würd ich das Hotel mal empfehlen, wenn man keine allzu hohen Ansprüche hat. Für unter 100 Dollar pro Nacht/Zimmer in dieser Lage ist das Angebot aber sicher ok.
Donnerstag, 5. November 2009
Mittwoch, 4.11.
Nach der langen Reise trotz Jetlag gut aufgewacht. Es schaut so aus, als ob ich schon auf New Yorker Zeit eingestellt bin. Aber das ist ja nicht so wirklich schwer, schließlich leb ich daheim ein Leben, das hierzulande eher als normal gelten würde: Spät in der Nacht ins Bett, erst gegen Mittag auf. Wenn man den Zeitunterschied einrechnet, passt das schon ziemlich gut ;)
Als erstes hab ich mal rausgesehen, und bin sofort zum Fotoapparat gehechtet, um die Lichtverhältnisse festzuhalten, die sich mir geboten haben. Ganz fasziniert hab ich beobachtet, wie sich das im Lauf von Minuten schon ändert. Schade, dass ich mir keinen ganzen Tag Zeit nehmen kann, nur sowas zu fotografieren…
Irgendwie hab ichs geschafft, mich herzurichten und alles zusammen zu sammeln. Dann bin ich mal zum Planet Hollywood getigert, wo ich meinen New York Pass abgeholt habe, eine Karte, die mir Eintritt in viele Sehenswürdigkeiten beschert. Dann wollte ich eigentlich im Hard Rock Cafe frühstücken, aber die hatten entgegen ihrer vollmundigen Ankündigungen noch nicht offen. Also ab zum nächsten McDo und die Angestellten vor Probleme stellen, weil die nicht wissen, wie sie meinen Kaffee zubereiten sollen. Übrigens, Annette, hierzulande gibts bei McDo kein Internet, sondern im Gegenteil, man wird aufgefordert, seine Konsumation zu verzehren und dann das Feld zu räumen. Nicht sehr gastfreundlich… Aber sonst hätten die vermutlich Platzprobleme.
Solcherart gestärkt bin ich zum Bryant Park marschiert und hab mal meine Beiträge losgelassen. dann gings in die Public Library, die mich sehr beeindruckt hat. Anschließend hab ich mich aufs Chrysler-Building zubewegt, und am Weg dorthin rasch in die Grand Central Station beäugt. Und immer schön fotografieren – so sind heute über 250 Bilder entstanden.
Nach einem Shopping-Abstecher hab ich die MetroCard aktiviert und bin ins Hotel zurück. Dort hab ich meinen Plan angesehen und beschlossen, dass der richtige Zeitpunkt fürs "Museum of Sex” ist. Klingt aufregender als es war ;) Hätte ich das nicht in meinem New York Pass gehabt, hätte ich mich wohl ziemlich geärgert… Am Weg dorthin bin ich über den Broadway geschlendert, und hab nach dem Museumsbesuch noch das Flatiron-Building besucht. Zurück gings dann mit der U-Bahn, mit einem Abstecher zum Food-Emporium, meinem hiesigen Lieblingssupermarkt. Da gibts SEHR tolle Sachen.
Jetzt sitz ich wieder im Bryant Park, weil ich noch das morgige Treffen mit Jason organisieren musste. Langsam sollte ich mal was essen – seit dem McDo-Besuch gabs nur Flussigkeit. Also dann, ich verkrümel mich mal Richtung Futter ;)
Mittwoch, 4. November 2009
Spät aber doch die Meldung: Ich bin gut angekommen!
Puh, das war ein langer Tag! Bald bin ich 24 Stunden am Stück auf den Beinen. Und obwohl ich schon ein gutes Stück in Manhattan rummarschiert bin, bereits 100 Dollar ausgegeben habe und Zimtkaugummi kaue, kann ich es irgendwie gar nicht so richtig fassen, dass ich jetzt wirklich DA bin. Mein Bewusstsein ist wohl noch irgendwo über dem Atlantik…
Die verspätete Meldung ist übrigens der Tatsache geschuldet, dass es hier in der Gegend kein frei zugängliches W-Lan gibt, in das ich mich vom Hotelzimmer aus einloggen könnte. Ich werde mich morgen auf die Suche nach kostenlosen Hotspots machen. Bezahlinternet könnte ich haben – unter anderem vom Hilton um 14 $ für 24 Stunden (eine Frechheit eigentlich, dieser Preis, oder? Das sollte in deren Nächtigungspreisen drin sein). Aber eigentlich bin ich nicht gewillt, dass ich fürs Internet was zahle… Wir werden sehen, wo ich die Möglichkeit haben werden.
Bevor es aber soweit ist, werde ich mal im Schweinsgalopp durch meinen langen Tag tippen, damit die Erinnerung nicht gleich Morpheus Armen anheim fällt.
Kurz nach 3 Uhr weckt mich mein Wecker aus Neocitran-induziertem Tiefstschlaf. Immer wieder drück ich ihn weg, gegen halb vier erhebe ich meinen müden Körper. Die letzten Vorbereitungen sind schnell getroffen. Noch einmal ein Wohnungsrundgang, alle Stecker ziehen, und fünf Minuten vor der Zeit schon auf der Straße aufs bestellte Taxi warten. Das hab ich wohl noch nie geschafft bei einer Abreise… Taxifahrer kommt dann auch und fährt mich zum Flughafen. Bei British wollte grad keiner was außer mir, und mit den neuen Check-in-Automaten geht das auch alles ganz fix: um 6:00 bin ich fix und fertig eingecheckt. Der Koffer, der daheim noch 22,7 kg hatte, wiegt am Flughafen noch mal 200 g weniger – dabei bin doch ich diejenige, die sich bewegen musste ;) Tja, da steh ich nun ich armer Tor, und hab noch 1:45 h bis zu meinem Abflug. Ich stromere also mal durch die ganzen Geschäfte und lass mich dann um 6:45 am Gate nieder. Dort schmökere ich in einem Reiseführer, bei dem ich den allgemeinen, geschichtlichen, sozialen und kulturellen Teil noch nicht durch hatte. Bei British geht alles ganz zügig, wir sind pünktlich zum Start bereit und müssen nur noch Enteisen. Alles in allem läuft das viel besser als erwartet, die Briten haben das irgendwie drauf. Total effizient und freundlich sind die.
Die Frisur, die in Wien unter Schneeregen gelitten hat, erfreut sich in London Heathrow schönstem Sonnenschein. Bei der Rennerei durch die Terminals komm ich dafür ganz schon ins Schwitzen. Menschenskind, ist das dort RIE-SIG! Aber auch hier: super organisiert, klappt alles wie am Schnürchen. Die 1:45 fürs Umsteigen, bei denen ich schon Langeweilegefahr befürchtet hatte, gehen sich wegen der leichten Verspätung nach dem Enteisen grad noch gut aus, ohne dass ich hetzen müsste oder die letzte am Gate bin.
Endlich im Flieger nach JFK würd ich mich gern entspannen, aber ich bin tatsächlich immer noch zu hibbelig. Also zappe ich mich durchs Unterhaltungsprogramm. Im Gegensatz zur im Mai beflogenen Air Berlin hat hier jeder Sitz einen Monitor, und British liefert Kopfhörer für jeden Passagier. Erst sehe ich mir “Die Frau des Zeitreisenden” an. Da hatte ich ja eigentlich schon mit einem Kinobesuch geliebäugelt, aber das wurde nichts. Somit hab ich das quasi gratis nachgeholt. Danach gibts noch mal “The Ugly Truth”, den ich im Kino schon gesehen hatte. “Julie & Julia” sagt mir nicht so zu, dafür sehe ich ein paar Serienfolgen, unter anderem eine von CSI NY zur Einstimmung. Und dann noch den neuesten “Ice Age”. Ja, der Flug hat sich gelohnt :)
Die Immigration ist wieder mal “a pain in the rear”, aber auch das hat irgendwann ein Ende. Als ich dann endlich New Yorker Boden betreten, reißt meine Glückssträhne ab und ich setz mich mal auf den Hintern – Bordstein falsch eingeschätzt. Kann nach über 15 Stunden unterwegs schon mal passieren. Jetzt hab ich einen blauen Fleck auf der linken Pobacke. Ganz schön aua, das hätte ich nicht gebraucht. Den merk ich beim Gehen nämlich auch.
Der Transfer in die Stadt ist schnell geschafft, trotz zähflüssigem Verkehr. Der Check-in im Hotel klappt ebenfalls vorbildlich. Gegen halb vier bin ich im Zimmer, richte mich kurz ein und düs dann auch schon wieder los. Erst mal was zu trinken holen, Metrocard kaufen, einen Spaziergang machen (Metrocard aktivier ich erst morgen, gilt 7 Tage, und heute musste sie noch nicht sein).
Im Zickzack zwischen Streets und Avenues gehts auf die Lexington, zu einem meiner Lieblingsshops, dem Container Store. Dort kann man gaaaanz viele Sachen kaufen, mit denen man Ordnung machen kann. Mir war nach ein paar Reisesachen, die ich noch vermisst habe, und die hatten die da auch. Dann gehts zu Borders, einen Buchladen. Dort spingen mir die Romanvorlage “The Time Traveler’s Wife” gemeinsam mit einem anderen Buch und ein paar Goodies in die Hände. Nach dem Film war klar, dass ich das Buch auch lesen will, denn so ein paar Sachen möchte ich noch klären. Außerdem shoppe ich bei Duane Reade, meinem persönlichen Lebensretter für alle Lagen. Zimtkaugummi in 5 Ausführungen *jammi*
Geschafft verzieh ich mich wieder ins Hotel, es ist immerhin schon nach 19 Uhr, also nach 1 Uhr meiner Zeit. Nach einer Auseinandersetzung der erkenntnisreichen Art mit der Dusche fühl ich mich wieder etwas besser, und kann mir noch die Zeit für dieses Posting nehmen.
Ach ja, Fotos hab ich auch schon welche gemacht. Über 150 Stück, um genau zu sein. Das Licht war ein Wahnsinn, dazu die Wolken – ich hab mir regelrecht einen abgefreut, dass ich mir eine neue Kamera geleistet habe. Fürs Sichten bin ich aber zu erschöpft im Moment.
Das Wetter ist hier übrigens traumhaft, ich bin mit einem Shirt und einer Fleecejacke rumspaziert. Soviel zum Thema “huschi”! Ich sag nur “Bluna!” (ein kleiner Insider). Ich bin mir sicher, dass ich die warmen Sachen noch brauchen kann, aber im Moment sind sie nicht nötig… Edit, 12 h später: heute isses “huschi” ;) Ich nehm alles zurück und behaupte das Gegenteil :D
Das Hotel ist gemessen am Preis sehr ok, für meine New-York-reisenden Kolleginnen werd ich in Kürze einen Review verfassen. Dürfte nach der ersten Nacht auch aussagekräftiger sein. Und die nehm ich jetzt in Anspruch (3:15 österreichischer Zeit am 4.11., auch wenn das erst später online geht). So long!
Edit: Ich hab doch noch den Fernseher angemacht, und tatsächlich eine (wenn auch alte) Folge “Bones” erwischt.So macht das Spaß :)
Was mir so auffällt…
… Engländerinnen sind sehr seltsame Wesen. Ok, die Herren der Schöpfung sind auch ein Wahnsinn, aber bei den Ladies ist es mir noch stärker aufgefallen. Unter anderem die, die neben mir saß auf dem Flug: geschätzt Anfang 70, flippige Frisur, Kunstnägel mit aufwändiger Verzierung. Aufgemacht in pink, sogar die Ohrhörer des irgendwann ausgepackten Ipods waren rosa. Überall an ihr klimperts und klapperts vor lauter Schmuck. Aus Neugier hab ich in ihren Pass gelinst, als sie die Formulare für die Einreise ausgefüllt hat: sie war grad mal 60, sah aber trotz der ganzen Flippigkeit viel älter aus. Seltsame Sache, diese Britinnen.
… Diese Freundlichkeit allerortens. Auch wenn meine just zurückgekehrte Kollegin meinte, dass die Leute hier unfreundlich seien – ich find sie sehr freundlich. Dafür hab ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mitbekommen hatte, wie mich gestern auf der Straße eine junge Frau angesprochen hatte. Die war dann doch etwas empört, als ich gar nicht reagiert hatte. Aber ich war schon zu müde, um mich noch mal umzudrehen und mich zu entschuldigen.
… “Times Square Squad” – Ok, die Jungs heißen sicher anders, aber hier gibts allenortens Männer in Uniform, die zur Polizei oder Sicherheitsdiensten gehören. Teilweise gibts hier sogar berittene Polizei! Ich hab in den vergangenen 18 Stunden mehr Pferde gesehen als in den letzten 18 Monaten (Filmpferde eingerechnet). Unsicher kann man sich hier nicht mal fühlen, wenn man paranoid ist.
… Ein Kuriosum: es gibt Sicherheitsleute, die den Fußgängerverkehr regeln rund um den Times Square. Die sagen dann mehrfach “The light just turned, please wait”. Die gesetzestreue Österreicherin in mir hat ja irgendwie ein Verständnisproblem – wenn rot (= orange Hand) ist, dann bleib ich stehen. Aber die Einheimischen sehen das anders: gegangen wird, wenn grad kein Auto in Sicht ist. Das gewöhnt man sich schnell an. Tja, und dann kommt es eben zu solchen Auswüchsen. Das hängt aber sicher auch damit zusammen, dass der Times Square grad erst vor wenigen Monaten zur Fußgängerzone gemacht wurde, zumindest partiell.
… Die unglaubliche Anzahl an Jobs, in denen Leute den ganzen Tag das selbe sagen. So wie die Securitys aus dem obigen Absatz. Die stehen am Zebrastreifen und wiederholen ein paar Phrasen monoton. Oder am Flughafen die Einweiserinnen zu den “lines” – “Next one down here!”. Diese Art von Job ist mir letztes Mal schon aufgefallen. Gibts in Österreich sicher auch, aber da werden wohl nicht so monoton Sätze wiederholt, sonst wär mir das länger schon aufgefallen. Da muss man doch gaga werden bei der Arbeit.
… Ich kann unglaublich schnell tippen. Ich verbring also nicht meinen ganzen Urlaub mit der Tipperei, sondern nur ein paar Minuten neben meinem Kaffee ;) Seid unbesorgt, ich hab schon was von meinem Urlaub.
… Im Bryant Park gibts gratis W-Lan, aber der verwandelt sich grad in ein Winter-Wonderland. Mal sehen, wie oft ich das aushalte. Von da aus geht auch das Posting online.