Mittwoch, 5. Mai 2010

Reisebericht Kanada - Niagarafälle

Nachdem die Niagarafälle im November buchstäblich ins Wasser gefallen sind (ich habe den Besuch wegen heftigen Regens gestrichen), habe ich sie dieses Mal wieder auf die Liste gesetzt. Will jemand raten, was passiert ist an diesem Tag? Richtig - es hat geregnet! Da der Regen nicht so stark war, ich ein gebuchtes Hotel hatte und Niagara nicht wirklich ein Umweg war, habe ich die Fälle dieses Mal aber doch besucht. Ist ja schließlich schon interessant, warum so viele Flitterwöchner sich dorthin begeben.

Mein persönlicher Eindruck von der Stadt: das ist eine Art Prater mit ganz vielen Hotels. Im Prinzip schauts dort aus wie in einer einzigen riesigen Touristenfalle. Das spiegelt sich auch an den Straßenschildern:

Hier ein Zusammenschnitt mehrere Schilder. Auf Clifton Hill ist der Vergnügungbereich, wobei mir hier eine Achterbahn definitiv fehlt. Lustig finde ich auch, dass gewisse Bereiche als "Tourist Area" gebrandmarkt werden. Dürfen Einheimische da nicht hin? Sollen Touristen und Stadtbewohner getrennt werden? Ist dafür auch das Schild an der Laterne? Oder sollen damit nur Flitterwöchner auseinandersepariert werden?

So sieht besagter Clifton Hill aus. Bunt, überall flackernde Leuchtschilder. Auf diesem Bild kann man auch gut das Wetter erkennen: Nass und nebelig. In Anbetracht der Umstände ist das auch ein ziemlich gutes Foto - im Endeffekt holt die Kamera da mehr raus als das menschliche Auge.

Und das ist die Falls Avenue, die Straße, die am Ufer entlang geht. Auch hier ist alles auf Touris ausgerichtet: Ein Hershey-Store, Planet Hollywood, das Hard Rock Café. Linker Hand geht die Rainbow Bridge in die USA rüber. Leider wusste ich nicht, dass ich mit meiner ESTA-Genehmigung zwei Jahre lang immer wieder in die USA einreisen darf, denn sonst wäre ich rübergefahren. Da hätte es sicher Peanutbutter-M&M's gegeben ;) Die gespenstische Leere auf dem dem Bild ist übrigens nicht nur dem Wetter oder der Jahreszeit geschuldet, sondern den Umständen. Der kanadische Dollar hat just bei meinem Besuch Parität mit dem amerikanischen erreicht, was hieß, dass die Dinge in Kanada überproportional teuer waren. Auf amerikanischer Seite gings doch lebhafter zu, was so mitzukriegen war.

Das ist der erste Blick gewesen, den ich auf die Fälle werfen konnte. Ihr seht, was ich gesehen habe - so gut wie GAR NICHTS. Als ich so durch die Straßen gewandert bin, ist mir aufgefallen, dass mir was fehlt. Irgendwann bin ich dann auch draufgekommen, was es war: Ich hatte erwartet, dass man das Donnern der Wassermassen hören sollte. Tatsächlich ist es mehr ein Rauschen, und das hört man erst, wenn einen keine Häuserfront mehr vom Ufer trennt. War eine spannende Erfahrung.

Am nächsten Tag habe ich es dann geschafft, einen richtigen Blick auf die Wasserfälle zu werfen:

Dass die Wassermassen gefährlich sind - wer wäre darauf gekommen? ;) Tatsächlich will das Schild zwar darauf hinweisen, dass man nicht über die Absperrung klettern soll, aber mir gefällt meine Deutung besser. Die breiten Fälle sind die American Falls, das schmale Wasserband rechts heißt Bridal Vail Falls.

Selbes Motiv - aber die Lichtstimmung *seufz*

Am Ufer steht eine Art Pavillion. Wofür das Ding gut ist, hat sich mir nicht erschlossen, aber es bietet einen netten Rahmen für die American Falls.

Ein Blick über die Brüstung auf die Canadian Falls, auch Horse Shoe Falls genannt. Die Gischtwolke hat leider den Blick auf die komplette Rundung versperrt. Dennoch gehe ich mit den Reiseführern konform, die einstimmig behaupten, dass das der schönere Teil der Niagarafälle ist.

Eine weitere Spielerei - links American und Bridal Vail Falls, rechts die Gischtwolke aus den Canadian Falls. Und dazwischen, quasi völkerverbindend - Coca Cola.

Meinen Wunsch, alles von oben zu betrachten, habe ich mir hier erfüllt - im Skylon Tower. Ungefähr auf der Hälfte der Höhe sieht man eine kleine gelbe Kabine - das ist der Lift. Man fährt hier außen hoch und kann schon einen Blick aufs Panorama werfen. Normalerweise sind drei Lifte im Einsatz, zu dieser Jahreszeit reicht einer, und der wird nicht voll. Wie man sieht, hat sich das Wetter im Vergleich zum Vorabend auch deutlich gebessert, selbst wenn wir von strahlendem Sonnenschein noch weit weg sind.

Die folgenden Bilder sind quasi im Kreis angeordnet - von links nach rechts und wieder zurück.

Die beiden Ufer bilden eine Art Canyon, in dem Gischt und Nebel wabern. Überspannt wird diese Kluft von der Rainbow Bridge. Wer genau schaut sieht gegenüber der Auffahrt die Gitarre des Hard Rock Cafes.

American Falls und Bridal Veil Falls mit etwas Nebelverzierung.

Goat Island, ein Inselchen, das die amerikanischen von den kanadischen Fällen trennt.

Die Kante der Horse Shoe Falls direkt neben Goat Island. In meinem "Mein Trip in 10 Bildern"-Beitrag habe ich schon eines hergezeigt - jetzt lässt sich abschätzen, warum ich so begeistert davon war, denn eigentlich war ich ja vom Geschehen ziemlich weit weg.

Die gesamten kanadischen Fälle, leider überwolkt von Gischt.

Das ist das Table Rock House, von wo aus man Touren hinter die Fälle starten kann. Weil ich nicht nasser werden wollte als es durch den Regen der Fall war, habe ich auf den Besuch dort verzichtet.

Jetzt bewegen wir uns wieder zurück im Kreis - hier sieht man schön, wie stark die Strömung da unten eigentlich ist. Schwimmen möchte ich da nicht gehen...

Hier noch die Anlegestelle der Ausflugsbote, der "Maids of the Mist". Warum die so heißen, sollte jetzt klar sein...

Da man sich meiner Meinung nach die ganze Sache trotz allem anhand von Bildern nur schwer vorstellen kann, habe ich hier noch zwei Videos, die hoffentlich etwas mehr Ein- und Überblick geben:

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Der linke Rand der Canadian Falls. Hier hört man schön, wie das Wasser rauscht. Ich hatte da mehr den Eindruck, einen einzigen, ewig langen Güterzug zu hören als tatsächlich einen Wasserfall. Auch sieht man, mit welcher Gewalt das Wasser da sprudelt - da möchte ich die Hand nicht unbedingt reinhalten...

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Und hier ein Überblick über die gesamten Fälle. Ich bitte die unebene Kameraführung zu entschuldigen, diese Versuche waren meine ersten und sind spontan entstanden, weil ich den Eindruck hatte, dass ich mit Bildern allein nur unvollständige Informationen mitnehme.

Ausblick ins "Hinterland" durch die Struktur des Turms. Abseits des grellen Touristenwirbels ist das Städtchen Niagara Falls eine Kleinstadt wie viele andere.

HA, hab ich doch noch eine Reflexion gefunden *gg* Ich gebe zu, ich hab sie ein bisschen hingeschummelt (=gespiegelt), damit das so aussieht, wie man es kennt. An meinen Haaren (über die ich mich ziemlich geärgert habe) sieht man, wie windig es da oben war.

Ein Blick auf mein Hotel: im roten Kreis steht Ida. Ich hab im 9., sprich zweitobersten Stockwerk gewohnt, wenn auch leider mit Blick nach hinten raus.

Das ist Clifton Hill mit dem bekannten Riesenrad bei Tag. Sieht doch gleich viel harmloser aus ;)

Der krönenden Abschluss meines Ausflugs führte mich nach Niagara-on-the-Lake, das ein paar Kilometer nördlich der Fälle direkt am See liegt. Leider hat es beim Besuch des Städtchens heftig geregnet, aber justament bei meinem Stop an diesem "Scenic View Point" hat es kurz aufgehört. Die Lichtstimmung war ganz eigentümlich, und dieses Foto kann sie nur teilweise einfangen. Aber dennoch: für mich ist es eine Erinnerung an einen "WOW!"-Moment.

Das war mit Sicherheit der feuchteste Beitrag über meine Reise - ich hoffe, keiner ist nass geworden ;) Generell fand ich die Wasserfälle durchaus faszinierend, aber warum sie ein gar so großer Anziehungspunkt sind, kann ich nicht wirklich verstehen. Ich vermute, dass da auch viel Marketing dahintersteckt. Für mich interessanter war Niagara-on-the-Lake, das ebenfalls eine touristische Vergangenheit hat, sich aber heute eher in einem Dornröschenschlaf befindet. Empfehlen kann ich beides, falls jemand mal nach Kanada fliegen sollte.