Sonntag, 29. November 2009
Meine Kolleginnen
Heute will ich Kollegin M. durch eine rhetorische Frage vermitteln, dass ich ihren Besuch unter einem scherenschwingenden Choiffeur zur Kenntnis genommen habe:
ich: "M., warst beim Friseur?"
M.: "Nein, meine Haare sind nur an der Sollbruchstelle abgebrochen."
Mein Gesichtsausdruck muss kurzzeitig leicht entgleist sein, aber eigentlich fand ich die Antwort sehr cool :)
Und gestern erzähle ich Kollegin K., dass man in New Jersey nicht selber tanken darf, sondern an der Tankstelle von einem Tankwart bedient werden muss. Und was tut sie? So wie ich es immer tue, wenn ich was erzählt bekomme, das mir blöd vorkommt: Sie strickt eine Geschichte, in der das eben nicht möglich ist. So von wegen Panne, Benzinkanister usw. Es war, als ob ich mir selber zuhöre...
Samstag, 28. November 2009
Meine Senseo...
Heute an der Discounter-Kassa
Ich geh gern zu Discountern einkaufen. Das Ambiente mag weniger gediegen sein, aber das Preis-Leistungsverhältnis gleicht das in meinen Augen mehr als aus. Besonders weiß ich zu schätzen, dass die Damen an der Kassa (nur ganz selten mal wird man eines y-Chromosom-Trägers ansichtig) sehr schnell sind. Das verkürzt die Wartezeit an der Kassa für jeden Einkäufer, auch wenn man dann am Bandende selber etwas Geschwindigkeit beweisen muss.
Heute war eine mit einem riesigen Einkauf an der Kassa. Ich stand 4 oder 5 Einkäufer weiter hinten, konnte ihren Sermon aber dennoch Wort für Wort mitverfolgen: “Mah, die sind ja so schnell da. Da kannst ja nicht mal richtig einpacken. Da kannst die Sachen nur ins Wagerl tun. Da hast ja gar keine Zeit. So schnell kannst ja gar nicht hingreifen. Die sind ja viel zu schnell. Das gibts doch nicht, dass die so schnell sein können. Da kommt man ja gar nicht mit. Da kann man ja gar nicht einpacken. …” Ich war schon kurz davor, dass ich mich nach vorn durchschiebe, mit einer großzügigen Armbewegung den Warenhaufen in ihren Einkaufswagen befördere und ihr Bescheid stoße, dass die Kassierin nicht freiwillig so schnell ist, sondern dass das Firmenpolitik ist. Und dass ich nicht wissen will, wie sie raunzt, wenn die Kassendame langsam ist und sie sich beim Warten die Beine in den Bauch steht. Und dass sie vielleicht schneller wär, wenn sie nicht motzen würde, sondern einfach hingreifen. Wie immer hab ich mich aber zurückgehalten. Ich bin ja wohlerzogen ;)
Die Gute hat immer noch vor sich hingeschimpft, als ich mit meinen fünf Sachen dann von dannen gezogen. So ein langer Atem ;) Und ich hab den Langmut der Kassierin bewundert.
Rückgewöhnung
Eigentlich war ich nicht mal 3 Wochen weg. Ich war einfach nur auf der anderen Seite des Atlantiks, in einem anderen Land mit einer anderen Sprache und etwas anderen Sitten und Gebräuchen. Aber eigentlich ist es in Amerika jetzt nicht so viel anders als hier. Immerhin ist die Schwerkraft dieselbe, die Luft scheint eine sehr ähnliche Zusammensetzung zu haben, die Menschen haben auch Elektrizität und gehen auf zwei Beinen. Und dennoch ist es in den USA so hinreichend anders, dass ich in vielerlei Hinsicht erst mal eine Gedankenleistung erbringen muss, bevor ich etwas tun kann.
Das Schwierigste war anfänglich die Sprache. Nach fast drei Wochen, in denen ich nur ein einziges Mal Deutsch gesprochen hatte, fiel es mir schwer, wieder Deutsch zu sprechen. Ich hatte vor allem das Bedürfnis, Menschen auf Englisch anzureden. Wenn das Gespräch dann mal gestartet war, dann gings, obwohl ich mir mit der Dialektvariante zum Teil etwas unsicher war. Ich nehm an, dass ich dann und wann ziemlichen Kauderwelsch produziert habe. Mittlerweile denk ich mir Dinge auch wieder auf Deutsch, und das Sprechen hat sich auch halbwegs eingependelt. Aber das war schon eine Hürde…
Schwerer fällt mir allerdings der Mentalitätsunterschied. Zur Zeit kämpf ich wirklich mit der österreichischen Mentalität. Mit diesem “ich bin mir selber der Nächste”. Mit dem Vordrängeln, mit der Unfreundlichkeit, mit der Rücksichtslosigkeit. Das prägt irgendwie den gesamten Umgang. Grad in Geschäften fällts mir sehr auf, aber auch im Straßenverkehr. Noch weniger als das Verhalten meiner Mitmenschen ärgert mich aber mein eigenes, ich machs nämlich genau gleich, wenn mir jemand so kommt, anstatt mich zurückzulehnen und ihn einfach machen zu lassen. Und mit einem Lächeln kommt man hier viel weniger weit. Während es in Amerika Tür und Tor zu öffnen scheint, kommt es mir hier so vor, als ob es an eine unsichtbare Wand prallt und von dort ungenutzt zu Boden fällt. Schade, denn wenn man lächelt, hebt sich auch gleich die Stimmung.
Dass mir an der Kassa niemand mehr die Sachen einpackt, kann ich verschmerzen, auch wenn ich mir grad etwas schwer tun, meinen Einkauf in angemessener Zeit an mich zu raffen ;)
Und während mir das Autofahren kein Problem bereitet, hatte ich mich doch an die breiten amerikanischen Parklücken gewöhnt. Die ersten Tage stand ich immer recht knapp am fahrerseitigen Begrenzungsstreifen einer Lücke, ab Tag 3 mit MÄX hab ichs dann geschafft, die großen Lücken auch in etwa mittig zu okkupieren. Im Moment kämpf ich dafür etwas damit, Cecilia nicht mit den Rädern auf der beifahrerseitigen Linie abzustellen, weil ich die Breite des Stellplatz etwas überschätzt habe. Eine Kleinigkeit, aber sie fällt mir auf.
Besonders seltsam kommt mir vor, dass ich mich nicht entsinnen könnte, große Probleme bei der Einstellung auf die Amis gehabt zu haben. Im Gegenteil, diese Art scheint mir zu liegen. Ich bin dort auch mit viel mehr Menschen ins Gespräch gekommen, als es mir hier passiert. Klar, ich war in einer besonderen Situation, aber auch wenn ich in Europa reise, also nicht daheim bin, ist es einfach anders. Generell bin ich in Amerika offener, obwohl ich schon die Vermutung habe, dass die Menschen dort oberflächlicher sind. Aber hier hab ichs nicht so mit Offenheit. Könnte natürlich sein, dass es sich um ein starkes Wechselspiel handelt zwischen Offenheit und ins Gespräch kommen ;) Oder auch einfach am Resonanzboden.
Woran ich mich auch wirklich gewöhnen könnte, sind die hohen, breiten Betten. In den USA hatte ich immer mindestens Queensize-, meist aber Kingsize-Betten. In meinem Schlafzimmer steht zwar auch ein 1,8 m breites Bett, aber leider mit zwei Matratzen und mit “schmalen” Decken, also 1,4 m breit. Im Moment überleg ich stark, ob ich mir nicht eine luxuriösere Bettung gönnen soll….
Aber natürlich war nicht alles in den USA besser. Der Kaffee zum Beispiel. Den werd ich kein bisschen vermissen. Das ist meist braunes, heißes Abwaschwasser. Kein Wunder, dass es in jeder auch noch so kleinen Klitsche mindestens 3 Sorten Süßstoff gibt – anders kann man das Zeug nicht trinken. Wobei, gegen die Batteriesäure, die British Airways ausschenkt…..
Ich find auch die grün-blinkenden Ampeln hierzulande vorteilhafter als solche, die ohne Vorwarnung umspringen. Und so gern ich über Fußgängerampeln geh, egal, was diese grad signalisieren, so sehr schätze ich es doch, dass ich hier nicht auf Fußgänger aufpassen muss, die unbeirrt ihres Weges ziehen, auch wenn ich Vorrang hab.
Ob ich in den USA leben wollte? Ich weiß nicht…. An sich denke ich, dass ich in Europa gut aufgehoben bin, und ich sehe auch das eine oder anderen kritisch, was Amerika betrifft. Aber als Urlaubsort finde ich die Vereinigten Staaten toll, und werde sicher wieder zurückkehren. Die Impulse, die ich für mich mitnehme, sind vielfältig und bereichern meinen Alltag.
Donnerstag, 26. November 2009
Verlustängste
In New York ist mir dann am ersten Abend tatsächlich was passiert. Aus alter Gewohnheit hatte ich meine Börse nicht in die sichere hintere Reißverschlusstasche meiner Handtasche gesteckt, sondern in eine leicht zugängliche vordere Tasche. Da war in Österreich immer der Verwahrungsort, schließlich bin ich eher weniger öffentlich unterwegs, und mag es einfach, wenn ich leichten Zugriff hab. Aber irgendwo auf der Straße zu stehen und in Panik die Handtasche nach der Geldtasche zu durchwühlen, ist ein unangenehmes Gefühl. Und da ist mir das Herz kurzfristig auch in die Hose gerutscht, Vorbereitung hin oder her.
Und gestern ist mir wieder was passiert - scheinbar werd ich alt :D Vorgestern abend war ich einkaufen, den leeren Kühlschrank füllen. Bei Merkur wollte ich allerdings nur eine Kleinigkeit, drum bin ich da ohne Tasche, nur mit Börse reingegangen. Als es dann doch mehr wurde, habe ich die Börse einfach in die Manteltasche gesteckt. Gestern früh dann die große Panik: Weder in der Handtasche noch in der Manteltasche war auch nur eine Spur von meinem Geld zu sehen. Ich hab mich mal zur Ruhe gezwungen, bin zum Auto, und hab das von unten nach oben gekehrt, weil die Börse ja in den Innenraum gefallen sein könnte. Auch da war sie aber nicht. Da habe ich dann doch begonnen, mir zu überlegen, wie ich jetzt vorgehen sollte: Erst mal in der Firma anrufen, ankündigen, dass ich später komme. Die eingescannten Kopien aus der Wohnung holen, zu Merkur fahren, dort nachforschen, ob das Ding abgegeben wurde. Danach im Fall des Falles zur Polizei, Verlustanzeige erstatten, Karten sperren, ... . Vorher wollte ich aber noch mal in der Wohnung schauen, schließlich hab ich noch nie was verloren, und man weiß ja nicht, was man nicht alles so unterbewusst macht. Und tatsächlich ist meine Börse wieder aufgetaucht - am Heizkörper im Schlafzimmer, wo ich niemals was ablege. Aber ich hatte sie wieder, und es fielen mir halbe Gebirgszüge vom Herzen.
So wie die Sache in New York ein Ansporn war, meine Geldtasche immer an den gleichen Ort in der Tasche zurückzustecken, ist das gestrige Erlebnis ein Anreiz, künftig wieder genauer zu schauen, was ich wie mache, damit mir sowas noch noch mal passiert. Das Adrenalin setz ich nämlich lieber an anderer Stelle ein :)
Dienstag, 24. November 2009
Zahlen, Daten, Fakten und Souvenirs
Meine Reise war recht lang und sehr aufschlussreich. Und nachdem ich Zahlen und Statistiken toll finde, habe ich hier einiges zusammengetragen, das vielleicht meine Reise vielleicht von einer etwas anderen Seite beleuchtet.
Aufenthalt:
20 Tage, bzw. 18 ganze Tage und zwei mal den Großteil eines Tags, also 465,5 Stunden
6 Hotels und Motels, Gesamtpreis ca. 900 Euro, somit durchschnittlich 50 Euro pro Nacht
22 besuchte Orte in 9 Bundesstaaten
32 besuchte Museen und Ausstellungen
5 Observatorys, also Gebäude, die einen Rundum-Ausblick auf eine Stadt bieten
unzählige Sehenswürdigkeiten, Gebäude, Statuen, Memorials, Parks, …
unzählige Restaurants und Geschäfte
Das liebe Geld:
ca. 3400 Dollar Ausgaben vor Ort, inkl. Mietwagen und alle Motels vor Ort (nicht aber Hotel in NYC) >> somit ziemlich vertretbar
ca. 1500 Dollar in bar, ca. 1900 Doller über Kreditkarte
2,37 Dollar Bargeld mit zurückgebracht ;)
Gesamt hat der ganze Spaß mit den Dingen, die ich von hier aus schon gebucht habe, unter 3500 Euro gekostet. Finde ich toll, vor allem, wenn man bedenkt, was ich alles gemacht habe und mitgebracht habe.
1711 gefahrene Meilen (über 2750 km)
134 Dollar Tanken (plus ca. 60 $ für den Tank bei der Anmietung, es gilt voll übernehmen, leer zurückgeben)
480 Dollar Mietpreis
72 Dollar für Maut und Parken
somit ca. 686 Dollar Gesamtpreis fürs Mietauto (alle vorherigen Preise gerundet)
entspricht 0,167 Euro pro Kilometer >> billiger als mein Auto!
Gepäck:
Hinreise: roter Koffer, 22,5 kg, plus Handtasche plus Laptoptasche als Handgepäck
Rückreise: roter Koffer, 22 kg, schwarze Reisetasche, 25,8 kg, Laptoptasche in NYC-Souvenir-Tasche, Handtasche
> Gepäck also mehr als verdoppelt, weil ich auch noch einige Sachen dort gelassen habe bzw. Kosmetika verbraucht habe!
Kleidung:
1 ungetragenes T-Shirt (das hab ich toll ausgerechnet, oder?)
30 gekaufte Kleidungsstücke, hier das meiste in losem Assortiment: 5 Oberteile, 3 Strickkleider, 1 Pulli (eigentlich 2, aber den zweiten hatte ich einen Tag an, und der fiel danach fast auseinander, also hab ich ihn zurückgebracht), 5 Leggings und Strumpfhosen, 1 Paar Beinwärmer, 2 Fleecejacken, 1 Jeans, 2 Röcke, 1 Mütze und 1 Paar Handschuhe
6 Souvenirshirts und eine Souvenirsweatjacke
Schuhe:
2 mitgenommene Paar Schuhe
4 gekaufte Paar Schuhe (siehe Bild oben – mittig die schamvoll zugegebenen Crocs)
3 Paar Schuhe kaputt gelaufen (ja, auch eines von den neuen :( )
3 Paar Schuhe wieder mitgebracht:
Schmuck und Kosmetika:
10 Schmuckstücke, einige davon paarweise, und ein mal Haarschmuck
jede Menge Kosmetika, das Meiste davon im Set erstanden, plus ein paar Einzelstücke
Souvenirs:
3645 Fotos (ich werde versuchen, sie so bald wie möglich zu sichten, und das eine oder andere dann online zu stellen)
Jede Menge Kleinkram:
1,2 kg Infobroschüren und Museumsinfos, 150 g Rechnungen, viel Krimskrams, unter anderem einen Plüschbären aus dem Polizeimuseum, Stifte, einen Block – was einem so unterkommt, 20 Postkarten, 5 CDs, 3 Bücher, 4 Zeitschriften, zwei Frauenmagazine und zwei Automagazine (nicht im Bild)
7,1 kg Süßigkeiten, vornehmlich mit Peanutbutter oder Cinnamon (plus noch mal über ein Kilo für Freunde und Kollegen)
3 Taschen: eine Handtasche, eine NYC-Souvenirtasche und die schwarze Reisetasche (kein Foto)
einige Mitbringsel für Freunde und Kollegen
Und nicht zu vergessen:
ca. 5 Kilo GewichtsVERLUST! Vor lauter durch die Gegend marschieren hab ich trotz naschen häufiger Mal eine Mahlzeit ausgelassen. Tja, und so kommt es, dass die Waage jetzt mindestens fünf Kilo weniger anzeigt. Fast unfassbar, oder?
Cecilia und ich
Nach 10 Tagen und über 2750 Kilometern Automatik-Fahrzeug konnte ich mir auch vorstellen, dass ich aufs Schalten oder aufs Kuppeln vor dem Stillstand vergessen könnte. Aber auch da gabs kein Problem. Scheinbar hab ich unterbewusst Muster gespeichert, die auf mein Auto abzielen - ich fuhr wie immer total relaxt und mit den gewohnten Schaltpunkten.
Nur einen einzigen, kleinen "Fehler" hab ich begangen: Als ich Cecilia abstellen wollte, zuckte mein ausgestreckter Zeigefinger zum nicht vorhandenen Start-Stop-Knopf. Auch beim Zusperren wollte ich eher den fehlenden Knopf des Key-less-Go-Systems drücken als den entsprechenden Knopf am Schlüssel. Dieses Spielzeug hatte ich doch sehr lieb gewonnen, ich hätte es auch gern in meinem Auto und wie sich zeigt, wird es mir fehlen.
Cecilia ist also nicht beleidigt, so wie Annette befürchtet hatte, und ich komm auch mit dem Schalten wieder zurecht. Außerdem muss ich gestehen, dass ich trotz aller Meriten von MÄX doch lieber mit Cecilia fahre. Jetzt brauchen wir nur noch einen Termin für die Winterräder, auch wenns zur Zeit sehr mild ist. Und eine gründliche Reinigung würde auch kein bisschen schaden....
