Achtung - in diesem Posting könnte anstößige, sexuell beladene Sprache vorkommen!
Eigentlich seltsam, über was ich mir Gedanken mache, aber der Artikel über das Verbot der Selbstbefriedigung in US-Gefängnissen, der mir heute untergekommen ist, hat mich schon zum Nachdenken angeregt. Es ist ein länglicher, mit Anspielungen gespickter Artikel auf Englisch, den sicher nicht jeder lesen mag, und der vermutlich auch nur wenige interessiert, aber ich möchte ein paar Aspekte herauspicken.
Umfragen unter den Gefangenen haben ergeben, dass über 99% der Männer und immerhin zwei Drittel der Frauen auch hinter Gittern Hand an sich legen. Das scheint mir realistisch, auch in Anbetracht der im Vergleich fragileren weiblichen Sexualität, obwohl ich 2/3 schon etwas wenig finde. Bislang habe ich mir zu dem Thema mangels Betroffenheit keine Gedanken gemacht, aber eigentlich es doch klar, dass der Sexualtrieb nicht wie andere persönliche Gegenstände eingetütet werden kann, wenn man seine Haftstrafe antritt.
Ich verstehe auch nicht, wo die Problematik liegen soll, wenn ein Häftling sich selber Erleichterung verschafft. Solang er/sie das "privat" tut, also nicht vor aller Augen, dann soll er/sie es doch tun. Klar, mit Privatheit wird es hinter schwedischen Gardinen etwas schwierig, aber es besteht ein Unterschied, ob man sich des Nachts unter seine Bettdecke verkriecht oder am helllichten Nachmittag beim Hofgang loslegt (Himmel, ich glaub, ich hab keine Ahnung, wie es in so einem Gefängnis zugeht...). Meiner Meinung nach sollte für jegliche sexuelle Aktivität in Haftanstalten dasselbe gelten wie außerhalb davon: man sollte damit kein Ärgernis erregen. Wer "in der freien Welt" allein oder zu zweit in der Öffentlichkeit loslegt, kriegt auch als unbescholtener Bürger das eine oder andere Problem. Mit dem kleinen Unterschied, dass einem keiner verbietet, zuhause seinen Spaß zu haben.
Ja, Menschen, die im Gefängnis sitzen, sind da in absolut überwältigender Zahl alle Fälle deswegen dort, weil sie sich etwas zuschulden kommen haben lassen. Oft Dinge, die der Normalbürger abstoßend, grausam, furchtbar findet. Aber dennoch sind auch Häftlinge Menschen. Sie dürfen atmen, essen, trinken, zur Toilette gehen, sich waschen, bekommen saubere Kleidung. Sowas nennt sich Menschenrechte, und egal, wie verabscheuungswürdig eine Tat sein mag, die dazu geführt hat, dass jemand hinter Gittern landet, so bin ich doch froh, in einer Zeit zu leben, in der diese Rechte auch dort gelten.
Ist nach dieser Logik Selbstbefriedigung ein Menschenrecht? Hab ich noch nie so betrachtet, aber ja, doch. Im Gegensatz zu sexueller Prokreation mit einem Partner, die Freiwilligkeit von beiden Seiten fordert, ist das Vergnügen mit der eigenen Hand etwas, das jedem Menschen unbenommen sein sollte. Dass ein vollkommen natürlicher Trieb, der jedem von uns innewohnt, in vielen Gefängnissen unterdrückt bzw. die Folge davon bestraft werden soll, ist für mich absolut nicht einsichtig.
Ein weiteres im Artikel angeschnittenes Thema ist Pornographie - es gab Häftlinge, die Beschwerde vorgebracht haben, weil ihnen explizite "Literatur" entzogen wurde. Das wiederum, finde ich, ist nicht nötig. Wer einen Trieb hat, soll ihm nachgehen dürfen, dafür ist Kopfkino da. Wessen Lust erst entsteht, wenn er entsprechende Materialien vorliegen hat, bei dem ist es scheinbar nicht so nötig. Es fällt mir ein bisschen schwer, gute Argumente zu finden, warum die von bösen Jungs faszinierte Brieffreundin oder der wohlmeinende Kumpel keine Heftchen mit barbusigen Damen schicken dürfen sollten, aber da bin ich vermutlich wegen meiner Haltung zu Pornos schon etwas vorbelastet. Definitiv nein sage ich aber dazu, dass das Geld der Steuerzahler zum Erwerb solcher Dinge genutzt werden sollte. Somit bin ich für "Wichsen ja, Pornos nein".
Das größere Problem als die Selbstbefriedigung dürfte allerdings erzwungener Sex zwischen Insassen sein. Im Artikel wird unter anderem erwähnt, dass nur in 2 von 50 US-Staaten Kondome an die Häftlinge ausgegeben werden. Während man argumentieren mag, dass die Verteilung der schützenden Latexdinger diese Problematik noch fördert, bin ich dennoch dafür. Ja, auf Kosten der Steuerzahler. Die Behandlung der Gefangenen gegen sexuell übertragbare Krankheiten inklusive Hepatitis und AIDS ist mit Sicherheit um ein Vielfaches teurer als ein Großeinkauf bei einem Kondomhersteller. Generell sollte aber dafür gesorgt werden, dass solche Situationen nicht auftreten können und der Häftling die Möglichkeit hat, die sexuelle Spannung auf eigene Faust abzubauen (yes, pun intended).
Indem jemand eine Straftat begeht, gibt er viele Rechte auf und muss mit starker Beschneidung seiner Privatsphäre leben. Es ist gut, dass unsere Gesellschaft einen Weg gefunden hat, Verbrecher auf legalem Weg einer Bestrafung zuzuführen. Eine vollkommene Stilllegung seiner Sexualität kann nicht dazugehören, ebenso wenig wie man jemanden für die Dauer seiner Haftstrafe zur Zurückhaltung jeglicher fester Ausscheidungen zwingen kann. Beides gehört zum Mensch sein. Ich hoffe, das kommt auch in den USA irgendwann an...

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen