Kurze Inhaltsbeschreibung:
In nicht allzuferner Zukunft gibt es kein Geld mehr, die Währung ist nun Zeit. Bis zum 25. Geburtstag leben sie, wie wir es kennen, dann stoppt der Alterungsprozess und die Uhr beginnt mit einem Guthaben von einem Jahr rückwärts zu laufen. Diese Zeit kann durch Arbeit verlängert werden. Während "reiche" Menschen quasi unsterblich werden können, leben Arme von Tag zu Tag. Wenn ihre Uhr abläuft, dann sterben sie.
Will Salas (Justin Timberlake) lebt mit seiner Mutter (Olivia Wilde) im Ghetto und hangelt sich von Tag zu Tag. Als er von einem lebensmüden Reichen (Matt Bomer) über 116 Jahre geschenkt bekommt, meint er, all seine Probleme seien gelöst und er könne ein neues Leben anfangen.
Nach seinem Übertritt nach New Greenwich, wo die Wohlhabenden ihre Zeit verbringen, fangen seine Probleme aber erst an: Er wird von den Timekeepern (Zeitpolizei) verfolgt und lässt sich mit der reichen Sylvia (Amanda Seyfried) an, was alles nur noch komplizierter macht.
Persönliche Meinung - ACHTUNG, ab hier Spoilergefahr!!!
Wer den Film unvoreingenommmen und ohne Wissen um gewisse Vorfälle selber sehen möchte, sollte nun nicht weiterlesen!
Gute Grundidee, teilweise unambitioniert umgesetzt, große Löcher in der Story und in der Logik. Eigentlich bin ich bei SciFi ungern überkritisch, weil es mir da hauptsächlich um die Idee geht und darum, wie jemand diese Idee dann in eine Geschichte verwandelt. Mir ist eine gute Story in schwacher Umsetzung immer lieber als die perfekte Umsetzung einer durchschnittlichen Geschichte. Diese Film liegt mittendrin: Gute Idee, leidliche Geschichte, verbesserungswürdige Umsetzung.
Wir fangen mal beim Offensichtlichsten an: Die Menschen hören auf zu altern, wenn sie 25 sind. Tja, dann muss ich halt auch Schauspieler nehmen, die 25 sind, so plus/minus ein, zwei Jahre. Aber sehen wir uns den Cast und die Geburtsjahre mal an:
- Justin Timberlake (1981) - muss der Arme eigentlich wirklich immer seinen nackten Oberkörper herzeigen? Vermutlich soll das über das doch etwas dünne Schauspiel hinweghelfen...
- Olivia Wilde (1984) - immerhin jünger als JT, dessen Mutter sie spielt, und sogar noch halbwegs im Zeitfenster.
- Matt Bomer (1977) - Attraktiv? Ja. Sieht aus wie 25? Nein!
- Cillian Murphy (1976) - Sorry, 10 Jahre wegschummeln ist nicht, auch wenn er sich gut gehalten hat.
- Johnny Galecki (1975) - Ok, er spielte einen Alkoholiker, aber trotzdem. Dem nimmt man einen Endzwanziger in BBT schon schwer ab.
- Amanda Seyfried (1985) - die Einzige, die die Altersvorgabe halbwegs erfüllt. Und mit dem dunklen Bob so gut "verkleidet", dass ich sie den ganzen Film über nicht erkannt habe.
- Alex Pettyfer (1990) - sollte er den Altersdurchschnitt senken?
Gefehlt hat mir eindeutig Technik: keine Handys, kaum Computer, das Einzige, was wirklich an Technik da war, waren die Zeitablesegeräte, quasi die Kassen. Obwohl das Ganze in der Zukunft spielen sollte, war wenig Futuristisches zu sehen. Die Autos waren sogar Rückschritt, das waren durchwegs matt lackierteKarossen aus den 70ern mit modernerem Innenleben und verkleideten Frontleuchten.
Was mir gut gefallen hat, und was auch durchaus konsistent war, war die Bildsprache. Da waren ein paar Schmankerl dabei, die mich tief Luft holen haben lassen. Die Linguistin in mir mochte auch die ganzen Wortspiele mit Zeit, die wir heute schon verwenden, die aber in einem Setting wie im Film eine ganz besondere Bedeutung bekommen.
Etwas undurchsichtig fand ich die Sache mit dem Übertragen von Zeit: Durch Hautkontakt kann Zeit übertragen werden, allerdings ist nicht klar, wie die übertragene Menge begrenzt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, Zeit zu stehlen - warum kann da der Bestohlene nicht begrenzen, was er hergibt? Die Menge der übertragenen Zeit hat auch nichts mit der Übertragungsdauer zu tun: Jahre können gleichschnell weitergegeben werden wie einige Minuten, kurze Transaktionen dauern sogar etwas länger.
Ich finde es auch etwas inkonsistent, dass Menschen sterben, wenn sie keine Zeit mehr haben, allerdings auch abtreten können, solange noch viele auf ihrer Uhr ist. Diese Zeit ist dann verloren, die kann niemand mehr nutzen. Das ist der Moment, in dem ich anfange, das System zu hinterfragen: Wer steht dahinter, wer kontrolliert es, wie kann Zeit ins Nichts verschwinden? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Film nicht.
Das Ende ist dann das, was mir den Film eigentlich verdirbt: im Handumdrehen wird aus einer Gesellschaftskritik eine Bonnie-und-Clyde-Geschichte. Passt für mich so gar nicht dazu, ist von der Charakterentwicklung her nicht nachvollziehbar und ruiniert für mich all das, was ich vorher gesehen hab.
Wer sich für Dystopien interessiert und gewillt ist, gewisse Lücken selber auszufüllen, dem sei der Film ans Herz gelegt. Ansonsten ist wohl ein Buch ein besserer Zeitvertreib.

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