Donnerstag, 13. November 2008

Cecilia - oder: Das wiederkehrende Element

Alle Menschen, die mich näher kennen, und auch einige, denen das bislang verwehrt blieb, mussten bereits zur Kenntnis nehmen, dass ich einen gewissen Autotick habe. Insbesondere in Bezug auf mein aktuelles Automobil - Cecilia, ein Citroen C4 in islandgraumetallic (hochtrabend für eine Art hellblau *g*). Cecilia wird regelmässigen Lesern immer wieder begegnen, drum möchte ich sie vorstellen. Denn für mich ist sie mehr als ein Auto. Eigentlich ist sie mehr wie ein Pferd, ein Nutztier mit persönlichem Bezug. Und wesentlich schneller und komfortabler noch dazu, außerdem genügsamer bezüglich des Zeitaufwands und der Pflege. Ok, bei näherer Betrachtung hinkt die Analogie. Aber wir wollen ihr das nicht krummnehmen, mein Pferdchen lahmt nämlich kein bisschen.

Ja, wer nicht bereits in meinen Kosmos eingetaucht ist, könnte vermuten: "_mathilda_ ist in dieser Hinsicht bisserl gaga" (Danke, G. für die Möglichkeit dieses wunderbaren Zitats). Allerdings bin ich nicht gaga - die Sache ist erklärbar. Und da mir die Aufmerksamkeit der Zuleserschaft hoffentlich gerade sicher ist, möchte ich das nun in bereits bekannter Ausschweifigkeit tun ;)

Im Prinzip begann alles im Jahr 2006. Damals erhielt mein neun Jahre alter Twingo aufgrund von Korrosion kein "Pickerl" mehr. Nach drei Gebrauchtwagen war mir nach was Neuem. Ein Kleinwagen sollte es sein. Da mir auch Gründlichkeit nicht abgesprochen werden kann, habe ich alle ca. 60 Kleinwagen, die in Österreich zu der Zeit erhältlich waren, gelistet und in x Punkten verglichen. Am Hof von Citroen bin ich nach einer Probefahrt mit dem C3 am C4-Coupé hängen geblieben, optisch. Wär im Budget als Basisbenziner mit kleinster Ausstattung sogar noch dringewesen. Aber ich wollte nach reiflichen Überlegungen doch "was Ordentliches". Keinen anfälligen Franzosen, sondern einen zuverlässigen Japaner ohne Zicken.

Da irren menschlich ist, haben mich die folgenden eineinhalb Jahre jede Menge Zickereien beim ach so zuverlässigen Japaner gequält. Liegengeblieben ist er nie, aber die Liste der bemängelten Punkte hat bald zwei A4-Seiten gefüllt, und weder eine der zahlreichen konsultierten Werkstätten noch der Importeur waren bereit, Abhilfe zu schaffen. Nachdem ich im Rahmen eines Service auch noch über den Tisch gezogen wurde, stand für mich fest: ich wechsle. Zudem wollte ich ein leiseres Auto (der Colt dröhnte bei Autobahngeschwindigkeit) mit Tempomat und mehr Komfort. Also Aufstieg in die Kompaktklasse, wieder Vergleiche, Vergleiche, Vergleiche, Tests, Probefahrten. Bald stand fest: für mich kanns fast nur ein C4 Coupé sein. Da ist der Arsch ja viel geiler das Heck wesentlich attraktiver als bei der Limo. Schlimmer kanns bei Citroen auch nicht mehr werden, in Sachen Leidensfähigkeit bin ich ja Profi, mittlerweile. Ha, hatte ich damals also schon recht! Passiert mir auch selten, dass ich mich selber austrickse...

Dieses Mal sollte es ein gebrauchter 90-PS-Diesel mit mittlerer Ausstattung statt eines neuen 95-PS-Benziners mit bester Ausstattung sein. Probefahrt verlief sehr angenehm, also auf den Markt mit Gebrüll. Monatelang habe ich Anzeigen durchforstet, es war kein passendes Coupé zu finden. Bei meinen 30000 km/Jahr brauchte ich nämlich eins mit niedriger Laufleistung. Als ich dann doch mal die Suchkriterien erweitert habe, fand ich SIE. Eine zwei Jahre alte Limousine, 12000 km, Top-Ausstattungslinie mit zusätzlich Leder, Sitzheizung, Parksensoren auch vorn, Soundsystem. Da war mir das ausladende Heck dann schon wurscht, man muss Kompromisse machen. Entdeckt hab ich sie im Nachtdienst, also bin ich in der Früh gleich zum Händler gefahren. Wegen Feiertag war aber Essig mit reinsetzen und testen, nur gucken war erlaubt. Und ich denke, ich wusste eigentlich schon in dem Moment, dass das mein Auto ist. Am Tag drauf wieder hin, Probefahrt gemacht. Die 136 PS aus zwei Litern Hubraum mit Turbobums bei 2000 U/min haben mir ein GROSSES Grinsen ins Gesicht gezaubert, der Verbrauch war ok, die Ausstattung ein Traum. Am Liebsten hätte ich gleich unterschrieben.

Aber ich bin ja auch vernünftig. Also habe ich Bedenkzeit übers Wochenende erbeten. In meiner Brust stritten gar viele Seelen. Die Vernünftige meinte: "Aber dein Auto ist noch keine zwei Jahre halt, und du legst da so viel Geld drauf!". Das Luxusweibchen, in dem Moment erst entdeckt, hechelte: "HABEN WOLLEN!". Die kühle Rechnerin warf ein, dass Diesel doch schon teurer sei als Super. Der Adrenalinjunkie japste: "Gib mir den Turbobums!". Als bei meinem Sonntagsspaziergang ein Golffahrer sich die Nase an dem Auto plattgedrückt hatte, wollte ich schon fauchen: "Finger weg - MEINS!".

Zu dem Zeitpunkt war mir auch schon der Name eingefallen - was französisch angehauchtes, mit C beginnend, weiblich. Ja, dieses Auto ist definitiv ein Mädchen! Nicht nur, weil der Franzose "la voiture" parliert, und hellblau hin oder her. Am Montag mit der grössten Übelkeit meines Lebens den Schauraum betretend, hab ich zum ersten Mal in meinem Leben in Geldangelegenheiten gegen meinen Kopf entschieden. Der zauderte immer noch. Der Bauch wollte das Auto einfach nur haben. Mein Bauch hat an sich nichts zu melden. Unerklärlicherweise hab grad ich technisch absolut informierter Mensch in diesem Thema doch mal auf ihn gehört - mit überwältigendem Erfolg. Denn seither schwebe ich glücklich über die Strassen - in 5 Monaten haben wir schon über 12000 km gemacht. Jede Fahrt ist eine Freude, die Spielereien gefallen immer wieder, der Komfort ist einfach himmlisch.

Viele meinen auch, das Auto entspreche einfach meiner Persönlichkeit. Wenn wir von attraktiv, elegant, talentiert, bescheiden und mit stattlichem Hinterteil ausgestattet sprechen, kann ich nur zustimmen ;) Aber die persönliche Beziehung liegt wohl eher darin begründet, dass es sich um eine Bauch- und nicht um eine Kopfentscheidung gehandelt hat. Die Namensgebung dürfte auch eine Rolle gespielt haben. Hätte Citroen das auto weiter Xsara genannt, wär wohl alles anders gekommen ;) Und drum nehm ich mir raus, meine Umwelt, die grösstenteils nachsichtig reagiert, mit diesem Spleen zu nerven.

Cecilia und ich danken für Eure Aufmerksamkeit!

8 Kommentare:

rudolfottokar hat gesagt…

kleines gschichterl zum thema parksensoren: ich steh in kolonne. vor mir ein supergeiler riesen-bmw. vor ihm ein lastler, der nicht um die kurve kommt. bmw reversiert, um platz zu machen...reversiert und reversiert...und dann machts bumms gegen mein auto. (eh nix passiert) kommentar des entsetzten bmw-fahrers: "i vasteh des net...normalerweise piepst er..."
;-)

_mathilda_ hat gesagt…

Ja, Parksensoren (die bei Cecilia ja vorn wie hinten vorhanden sind) sind schon a feine Gschicht - wenn sie tun, was sie sollen. Ich verlass mich schon auch sehr auf die Dinger, was nicht heißt, dass ich nicht schau. Bislang haben sie aber sehr zuverlässig funktioniert. Sie funktionieren sogar, wenn ein Auto zu knapp vor der Stossstange reinschneidet oder Motorradfahrer zu nah an Cecilia vorbeidüsen.

Da ich zur Entlastung des werten Lesers Cecilias Geschichte etwas gerafft habe, ist ein wichtiger Protagonist in dieser Geschichte "unter den Tisch gefallen". Mein Bauch hatte nämlich fernschriftliche Entscheidungshilfe unterstützender Art von einem lieben Freund. Er war also nicht auf sich alleine gestellt (mein Bauch, nicht mein Freund, der ist eh nicht allein ;) ). Das nur als Ergänzung, da besagter Freund zu schüchtern sein dürfte, um die Kommentarfunktion zu seinen Gunsten zu nützen.

Proxima hat gesagt…

Schöööööne Geschichte!
Nur eins fehlt, wir!

Schön, daß Du uns weiterhin treu bist!
Wenn ichs mir genauer überlege, sehen wir uns seit/ dank Cecilia üfters als vorher, aber ohne Deinen Colt hätten wir uns nicht kennengelernt!

Viele Grüße aus Deutschland/ Thüringen!

Magdarine hat gesagt…

Habe natürlich gleich erkannt, wer Du bist :)
Der Twingo hat Dich verraten.

Lemming hat gesagt…

tjaja da schlägt man sich stundenlang mit dem pro und kontra für das autochen rum, quält sich, eine argumentation zu bekommen, die die dame nicht widerlegen kann, bringt sie letzten endes auch dazu und dann wird man vergessen ;)
cecilia ist n schönes auto, wenn auch mit einem etwas breiten hintern, aber immerhin ist das kleine moppelchen doch deutlich schöner als der colt :D

_mathilda_ hat gesagt…

Proxima, Asche auf mein Haupt. Zu meiner Verteidigung: Ich wollte die Geschichte nicht überfrachten und hole die von dir und Lemming angemerkten Teile der Geschichte nach.

Hallo Magda, freut mich, dich hier zu lesen. Auch dein Blog hat mich inspiriert, auf dem Feld mal tätig zu werden, denn da hab ich ja immer fleissig mitgelesen.

Jaja, lieber Lemming... Cecilia und ich sind dir ja dankbar, und haben dir das hoffentlich auch bewiesen. Das "kleine Moppelchen" nimmt sie dir im Übrigen fast krumm. Und ich muss sie verteidigen: sie ist nicht dick, sie hat nur schweres Blech! (1,4x t auf 4,27 m ist für einen Diesel ok, und ihre Trinksitten sind sehr akzeptabel).

ClemmieInChina hat gesagt…

sensationelles posting, mathilda *g*. als freund der subtilen formulierung ist meine lieblingsstelle natürlich der "geile arsch" :DD.

ich selbst besaß mein leben lang immer nur italienische erzeugnisse - zuletzt einen seicento. bei jedem einzelnen neukauf schwor ich mir: niemals wieder etwas italienisches! und jedesmal wieder gab es "gute argumente" dafür. zum wahninnig werden. aber wahrscheinlich ist es bei autos der größenordnung "anziehen statt einsteigen" eh egal, die sind alle mehr oder weniger schrott.

("raorear" ... wow!)

_mathilda_ hat gesagt…

"Anziehen statt Einsteigen" ist SU-PER! *ggg* Ich finde Klein(st)wagen und deren Fahrer aber in den meisten Fällen sympathisch. Als ehemalige Lancia Y10- und Twingofahrerin verstehe ich die italophile Kleinwagenneigung sehr gut (der Twingo hätte auch italienisch sein können - klapperte, Materialen unter ferner liefen, Ablagen - was ist das?). In einen Italiener zu schlüpfen könntest du dir aber "ersparen", indem du nächstes Mal ein Geschäft aussuchst, das eher nipponlastig ist, oder teutonisch angehaucht :D